Android-Tests

Vivo X60 Pro 5G-Test

Vivo ist in Deutschland immernoch ein relativ unbekannter Hersteller, daran haben auch die omnipräsenten Werbebanner bei der Europameisterschaft nicht viel geändert. Dabei ist der Hersteller zuhause in China mittlerweile auf den ersten Platz gesprungen, noch vor Oppo und Xiaomi. Neben diversen günstigen Modellen hat auch die X60-Serie ihren Anteil daran. Vivos aktuelle Flaggschiffe glänzen mit hochwertiger Verarbeitung und leistungsfähiger Technik.

Vom Basismodell bis zum X60 Pro Plus sind mittlerweile sechs Varianten erschienen. Genau eine hat es bisher nach Deutschland geschafft, das Vivo X60 Pro 5G. Ein wunderschönes 6,56 Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hz kombiniert Vivo mit einem Snapdragon 870-Chipsatz und einer Dreifach-Kamera mit Vivos einzigartiger Gimbal-Stabilisierung. Macht man mit dem X60 Pro also alles richtig? Das klärt unser Test.

Unboxing

Das X60 Pro wird in einer schicken, breiten Box geliefert, die bestens zum Premium-Anspruch von Vivo passt. Im Inneren findet man alles, was man braucht: Das 33 Watt-Ladegerät, ein USB-A-zu-C-Kabel, ein Headset und eine Schutzhülle aus Plastik. Eine gedruckte Bedienungsanleitung ist ebenfalls enthalten.

Die Schutzhülle besteht leider aus Hartplastik und nicht aus Silikon und sieht weder gut aus, noch bietet sie besonders viel Sicherheit bei Stürzen.

Design und Verarbeitungsqualität

Das X60 Pro selbst ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Ein schlanker Glas-Aluminium-Rahmen krümmt sich um die gewölbten Displayränder. Vivo nennt das Material AG-Glas für „Anti-Glare“.  Und tatsächlich hatten wir auch nie das Gefühl, geblendet zu werden. Fingerabdrücke machten sich nur begrenzt bemerkbar. Das Glas wird von Corning hergestellt und entspricht Gorilla Glass 6. Damit ist das Handy gut geschützt, gleichzeitig sind die Oberflächen aber extrem rutschig.

Die Kamerainsel mit der Gimbal-Hauptkamera, einem Ultra-Weitwinkel und dem 2x-Tele dominiert die Rückseite. Sie ragt 2,3 mm heraus, was völlig im Rahmen ist. Apropos Rahmen – oben und unten gibt es jeweils ein einzelnes Loch für die Mikrofone, während der Lautsprecher unter fünf Aussparungen an der Unterseite sitzt. Stereosound gibt es beim X60 Pro leider nicht. Natürlich kommt aus dem Ohrhörer auch ein Signal, dieses lässt sich aber nicht wie bei vielen Konkurrenten als zweiter Stereo-Kanal nutzen.

Vivo X60 Pro 5G-Design

An der Unterseite findet man auch den USB-C-Port und den Kartenslot. In letzteren passen zwei Nano-SIMs, aber keine Speicherkarte. Power-Button und Lautstärkewippe befinden sich auf der rechten Seite, während man links nur auf das gebogene Display schaut. Der Rahmen ist an den Seiten sehr dünn, was auf die gebogenen Kanten des Glases zurückzuführen ist.

Das 6,56 Zoll große AMOLED-Display dominiert die Front des X60 Pro. Die Einfassungen sind minimal, wobei die untere etwas breiter hervorschaut als die obere. Die Seitenränder des Displays wölben sich sanft in den Rahmen und es gibt kaum Farbverschiebungen an den Rändern. Dank AMOLED-Technik ist der Fingerabdrucksensor im Panel integriert. Er funktionierte im Test jederzeit schnell und zuverlässig, sitzt jedoch im Vergleich zu vielen anderen Herstellern für unseren Geschmack etwas zu tief.

Das Punchhole hat einen Durchmesser von 3,9 mm und liegt damit im Mittelfeld. Allerdings befindet sich darunter ein einigermaßen großer 1/2,8 Zoll-Sensor, daher sollte man die Größe freudig in Kauf nehmen. Das Vivo X60 Pro misst 158,6 x 73,2 x 7,6 mm und wiegt 179 g. Es sieht dünn aus und liegt großartig in der Hand. Vor allem, wenn man normale oder größere Hände hat. Es ist in jede Richtung einen Millimeter kleiner als das OnePlus 9 und auch kleiner als ein Mi 11.

Display und UI

Das 6,56 Zoll-FullHD-Display lässt so gut wie keine Wünsche offen. AMOLED-Technologie kombiniert Vivo mit einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz und einer Touch-Sampling-Rate von 240 Hz. Die technischen Daten auf dem Papier konnten die praktischen Erfahrungen im Test bestätigen – das Display leuchtete in jeder Situation hell genug und arbeitete schnell und flüssig. Auch in Sachen Farbgenauigkeit gab es nichts zu beanstanden. In der Professional-Voreinstellung liefert das X60 Pro eine hervorragende Wiedergabe des sRGB-Farbraums. Nach einer minimalen Korrektur der Farbtemperatur nach oben ließen sich auch noch die letzten Blaustiche entfernen und die Bildqualität war praktisch perfekt. Die Standard-Einstellung hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und liefert einen deutlich sichtbaren Blaustich. Nach manueller Korrektur bekommt man aber auch hier eine stimmige DCI-P3-Wiedergabe hin. HDR10+ ist ebenfalls an Bord und funktionierte problemlos.

Vivo X60 Pro Android 11

Bei der Bildwiederholfrequenz kann man zwischen statischen 60 oder 120 Hz wählen oder sich auf den Auto-Modus (Smart Switch) verlassen. Im 120 Hz-Modus gibt es aber trotzdem Apps, die eine geringere Frequenz erzwingen. Dazu gehören die Kamera-App und auch Google Maps, die mit maximal 60 Hz laufen. Auch alle Video-Apps schalten spätestens im Vollbild-Modus auf 60 Hz zurück.

Der Smart Switch-Modus behält 120 Hz für die Benutzeroberfläche auch nur bei, wenn man das Display berührt. Ansonsten fällt er auf 60 Hz ab, um Strom zu sparen. Ein ähnliches Verhalten konnten wir auch in den gängigen Social Media-Apps beobachten. Seltsamerweise wechselte das X60 Pro in Browsern standardmäßig auf 60 Hz und blieb dort, bis man die App wieder verließ.

Android 11 und Funtouch 11

Auf dem X60 Pro läuft Android 11 mit Vivos Oberfläche Funtouch 11 darüber. Ein paar Teile der Software sehen allerdings nach ganz normalem Android aus, darunter der App-Drawer und der Task-Switcher (mit einer zusätzlichen Schaltfläche „Alles löschen“). Die Schnellzugriffe im Benachrichtigungsbildschirm haben das übliche kreisrunde Design und die Benachrichtigungen selbst sind ebenfalls Standard. Eine willkommene Ergänzung zum Helligkeitsregler ist ein Schalter für ‚Auto‘, der normalerweise in den Einstellungen vergraben ist.

Da das Betriebssystem des X60 Pro auf Android 11 basiert, sind auch die neuen Android 11-Funktionen an Bord. So sind die Benachrichtigungen jetzt in Kategorien gruppiert, damit zum Beispiel Chats nicht im Durcheinander verloren gehen. Hat man Benachrichtigungen aus Versehen entfernt, gibt es einen detaillierten Benachrichtigungsverlauf. Chat-Bubbles, Einmal-Berechtigungen, ein integrierter Bildschirmrekorder und das komplett überarbeitete Power-Menü kennt man ebenfalls von Googles neuester Android-Version.

Vivo X60 Pro Funtouch 11

Zu den Dingen, die Funtouch anders macht, gehören benutzerdefinierte Multimedia-Apps und eine eigene Telefon- und Nachrichten-App. Der iManager ist auch wieder an Bord und räumt auf Wunsch den Cache auf, analysiert die Datennutzung, sucht nach Viren und ähnliche Wartungsfunktionen. Die üblichen Navigationsgesten sind ebenfalls verfügbar, inklusive zusätzlichem Schnellzugriff auf den Google Assistant. Dieser erscheint, wenn man diagonal von der unteren linken oder unteren rechten Ecke des Displays zur Mitte wischt.

Dynamische Lichteffekte

Es gibt auch einige Optionen, um die Optik anzupassen. Man kann die Schriftart ändern, mit den Designs herumspielen und zwischen einer Handvoll Always-on-Display-Designs wählen. Im Menü „Dynamische Effekte“ lassen sich die Systemanimationen und -effekte ändern. Der Ambient Light-Effekt beleuchtet beispielsweise die Ränder des Displays bei Benachrichtigungen und Anrufen. Dabei lässt sich sogar auswählen, welche Apps den Effekt auslösen sollen. Samsung, OnePlus und Xiaomi haben ähnliche Optionen, Vivo geht aber noch einen Schritt weiter und bietet nicht nur verschiedene Stile, sondern sondern lässt den Nutzer auch die Dauer des Umgebungslichteffekts anpassen. So kann man quasi die in AOD-Zeiten oftmals vermisste Benachrichtigungs-LED ersetzen.

CPU / Leistung

Das X60 Pro wird vom Snapdragon 870-Chipsatz angetrieben, Qualcomms aktuell drittschnellste CPU auf dem Markt nach dem Snapdragon 888 und dem SD888+. Der SD870 ist eine höher getaktete Version des SD865+, der selbst wiederum ein getunter SD865 ist. Die Octa-Core-CPU hat eine 1+3+4-Konfiguration, wobei der Prime-Core mit bis zu 3,2 GHz läuft. Der Chipsatz kann neben den physischen 12 GB RAM auch auf 3 GB virtuellen RAM des UFS 3.1-Speichers zugreifen.

Vivo X60 Pro AnTuTu-Benchmark / AnTuTu-Benchmark im Ultra-Spielmodus

Neben GeekBench haben wir auch CPU- und GPU-Tests in AnTuTu gemacht und das X60 Pro hat ausgezeichnete Ergebnisse geliefert. Wie zu erwarten muss es sich in Geekbench nur dem großen Bruder SD888 und Samsungs Exynos 2100 aus der Galaxy S21-Serie geschlagen geben. AnTuTu zeichnet ein ähnliches Bild – nur der SD888 und der Exynos 2100 setzten sich deutlich vom SD870 im X60 Pro ab. Das Poco F3, ein weiteres SD870-Modell, liegt knapp hinter dem Vivo, was für eine sehr gute Implementierung spricht.

Vivo X60 Pro Geekbench-Benchmark / Geekbench-Benchmark im Ultra-Spielmodus

Ultra-Spielmodus

Einen Ultra Game-Mode hat Vivo dem X60 Pro ebenfalls spendiert. Damit lassen sich Benachrichtigungen blockieren oder auch das Display komplett ausschalten, während das Spiel im Hintergrund läuft. Bei einigen Online- oder rundenbasierten Spielen kann man dadurch eine ganze Menge Akku sparen. Es gibt eine Seitenleiste mit einer Liste von optimierten Einstellungen für das aktuelle Spiel und eine weitere für Schnell-Einstellungen während des Spiels.

Wer vom Ultra-Spielmodus jetzt deutlich mehr Leistung erwartet, wird allerdings enttäuscht. In unseren Tests haben wir jeweils den ersten Benchmark-Tests ohne und den zweiten mit dem Ultra-Spielmodus gestartet. Die Ergebnisse sind fast identisch, wobei das X60 im Ultra-Modus sogar marginal schlechtere Resultate lieferte.

Akku

Beim X60 Pro hat sich Vivo für einen 4.200 mAh-Akku entschieden, warum auch immer. 4.500 mAh hätten wir mindestens erwartet, während 5.000 mAh aktuell der Standard für ein Flaggschiff-Smartphone zu sein scheint. Der Vorgänger hatte immerhin 4.315 mAh zu bieten und gleichzeitig mit dem Snapdragon 765-Chipsatz einen geringeren Stromverbrauch.

Fangen wir mit dem positiven Punkt an: Eine Akkuladung reichte für 20 Stunden Videowiedergabe im Vollbildmodus. Die Bildwiederholfrequenz wird dabei automatisch auf 60 Hz begrenzt. Beim Surfen im Internet reduzierte sich die Laufzeit auf etwa die Hälfte: 10 Stunden hielt das X60 Pro bei 120 Hz durch, gut 11 Stunden bei 60 Hz. Dauertelefonierer können mit gut 21 Stunden Gesprächszeit rechnen.

Geladen wird mit einem 33 Watt-Ladegerät mit Vivos eigenem Ladestandard FlashCharge 2.0. Das Topmodell X60 Pro+ lädt mit 55 Watt-Super FlashCharge 2.0 nochmal deutlich schneller, ist aber auf den Heimatmarkt China beschränkt. Mit dem 33 Watt-Adapter ging das X60 Pro in 30 Minuten auf 69% und in 56 Minuten auf 100%. Während die Ladegeschwindigkeit damit gut ausfällt, ist die Laufzeit für ein Flaggschiff-Smartphone unterdurchschnittlich.

Lautsprechertest

Wie fast alle anderen Vivo-Handys auch verlässt sich das X60 Pro auf einen einzigen Lautsprecher an der Unterseite des Gehäuses. Genau wie beim Akku hätten wir für den Preis auch beim Sound mehr erwartet, nämlich zumindest Stereo-Qualität. Die Lautstärke ist zwar mehr als ausreichend, die Klangqualität aber mit übertriebenen Mitteltönen und kaum vorhandenen Bässen und Höhen eher bescheiden.

Kamera: Fotos

Das Vivo X60 Pro ist mit drei Hauptkameras ausgerüstet. Über allem thront das Weitwinkel-Objektiv mit der Gimbal-Stabilisierung, welches mit einem 1/2 Zoll großen Sony IMX598-Sensor mit 0,8 µm Pixeln und einem Quad Bayer-Filter zusammenarbeitet. Das Objektiv ist mit einer Blende von f/1,48 sehr lichtstark. Die Brennweite liegt bei 25 mm.

Die Ultra-Weitwinkelkamera verwendet einen 13 Megapixel-Samsung-S5K3L6-Sensor mit einer Größe von 1/3,1 Zoll. Die Brennweite liegt bei 15 mm und die Blende bei f/2,2. Das scharfstellen übernimmt ein Phasenerkennungs-Autofokus (PDAF). Das dritte Modul ist ein 2x-Tele. Ein weiterer S5K3L6-Sensor sitzt hier unter einem 50 mm-Objektiv. Die Blende beträgt f/2,46, eine optische Stabilisierung gibt es nicht.

Vivo X60 Pro 5G Kamera-App

Auf der Vorderseite befindet sich eine 32 Megapixel-Selfie-Kamera mit einem Samsung S5KGD1-Tetrapixel-Sensor. Die Brennweite liegt bei 24 mm und der 1/2,8 Zoll große Sensor besteht aus 0,8 µm großen Pixeln. Die Blende beträgt f/2,45.

Die Kamera-App ist einfach gehalten und funktioniert intuitiv. Die Hauptmodi werden wie bei den meisten anderen Handys mit seitlichem Wischen umgeschaltet. Über die Registerkarte „Mehr“ ploppen weitere Modi auf. Dort lässt sich die Standard-Ansicht auch personalisieren. Es gibt einen Pro-Modus, der mit allen Hauptkameras zusammenarbeitet und mit dem sich so ziemlich alle Parameter anpassen lassen. Der ISO-Wert lässt sich zwischen 50-3200 einstellen, die Verschlusszeit von 1/12000s-32s auf der Hauptkamera und 1/12000s-0,6s auf den anderen beiden Linsen. Weißabgleich und Fokusabstand sowie die Belichtungskorrektur kann man ebenfalls frei wählen. Ein Live-Histogramm steht auch zur Verfügung.

Bildqualität bei Tageslicht

Tageslichtbilder der Hauptkamera des X60 Pro zeigen eine gute Sättigung. Vor allem, wenn man mit dem AI-Assistenten fotografiert, wie wir es in den meisten Fällen getan haben. Der Assistent passt dabei die Einstellungen entsprechend der Situation automatisch an. Der Kontrast war überwiegend hoch und der Dynamikumfang auch recht groß ist. Unterm Strich würden wir sagen, dass man mit aktivierter AI überwiegend sehr gute Bilder bei minimalem Aufwand bekommt. Details kamen ebenfalls gut heraus bei gleichzeitig sehr geringem Rauschen. Geht man in den Modus für die volle 48 Megapixel-Auflösung, verlieren die Fotos an Farbsättigung und das Rauschen zieht sichtbar an. Da es gleichzeitig keinen nennenswerten Gewinn an Details gibt, raten wir von diesem Modus ab.

Ultraweitwinkel / Hauptkamera / 2x-Zoom / 5x-Hybridzoom / 10x-Hybridzoom

Das Ultra-Weitwinkelobjektiv konnte uns auch überzeugen. Die Schärfe war hervorragend und Rauschen praktisch nicht vorhanden. In Bereichen mit hohem Kontrast traten hier und da violette Ränder auf, die allerdings erst bei genauem Hinsehen auffallen. Der Dynamikbereich war hoch und die Farben sahen angenehm gesättigt aus. Das Ultrawide ist dank minimaler Fokusentfernung auch für die Makros zuständig. Gleichzeitig lassen sich damit auch sehr schön Motive freistellen und mit einem unscharfen Hintergrund versehen.

Ultraweitwinkel Makro-Modus

Das 2x-Teleobjektiv zeigte noch etwas mehr Sättigung als die Hauptkamera. Der Dynamikumfang ist gut, aber nicht großartig. Schärfe und Details sind dagegen kaum zu bemängeln, genauso wie das kaum vorhandene Rauschen.

Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen

Auch bei schwachem Licht macht das Vivo X60 Pro einen guten Job. Bilder der Hauptkamera sehen lebendig aus bei gleichzeitig großem Dynamikumfang. Details sind ausgezeichnet, Rauschen ist vorhanden, aber minimal. Geht man in den Nachtmodus, bringt das X60 Pro deutlich mehr Licht ins Spiel. Die Farben werden etwas kräftiger und das Rauschen geht noch weiter zurück.

Ultraweitwinkel / Hauptkamera / 2x-Digitalzoom automatischer Nachtmodus

Das Ultrawide kommt im Dunkeln dagegen früher oder später an seine Grenzen. Der Dynamikbereich ist kleiner als bei der Hauptkamera, im Vergleich zu anderen Ultra-Weitwinkeln aber in Ordnung. Kommt man aber in Situationen mit sehr wenig Licht, sollte man vom Ultra-Weitwinkel absehen. Der dedizierte Nachtmodus macht macht sich beim Ultra-Weitwinkel am wenigsten bemerkbar. Hier lohnt sich der Wechsel vom AI-Modus daher nicht wirklich.

Zweifachen Zoom gibt das Handy bei wenig Licht gern an die deutlich lichtstärkere Hauptkamera ab, die dann digital vergrößert. Im Ergebnis sehen die Bilder dadurch etwas weicher aus. Dynamikumfang und Farbwiedergabe profitieren dagegen von der Hauptkamera, daher kommen auch bei wenig Licht brauchbare Tele-Aufnahmen zustande.

Portraitmodus
Das X60 Pro kann Porträts mit einfachem und zweifachem Zoom aufnehmen. Beide Modi liefern in Bezug auf Details ähnliche Ergebnisse, wobei die Motiverkennung meistens gut funktioniert. Der Dynamikumfang ist ausgezeichnet und auch die Farben sehen überwiegend großartig aus.

Selfies
Die 32 Megapixel-Selfie-Kamera des X60 Pro nimmt bei ausgewogener Beleuchtung ebenfalls wirklich gute Bilder auf. In kontrastreichen Szenen fordern HDR und Nachschärfung zwar ihren Tribut, im Resultat gehen die Bilder aber immernoch in Ordnung.

Kamera: Videos

Die Hauptkamera des Vivo X60 Pro zeichnet Videos mit bis zu 4K bei 60fps auf. Das Ultrawide und das Tele sind bei 1080p und 30fps begrenzt. Das Handy zeigt aber auch bei zweifacher Vergrößerung gerne 4K 60fps an – wenn das passiert, weiß man, dass das Vivo ähnlich wie bei Foto-Aufnahmen zur digitalen Vergrößerung der Hauptkamera gewechselt hat.

Ultra-Weitwinkel 1080p 30fps

Es stehen zwei Stabilisierungsstufen zur Verfügung: ‚Standard‘ bedeutet elektronische Stabilisierung (EIS) und ist immer verfügbar. ‚Super Anti-Shake‘ bedeutet optische Stabilisierung (OIS) mit dem Gimbal-System und wird nur von der Hauptkamera unterstützt. Die Auflösung liegt in dem Fall bei 1080p und 60fps. Man kann zwischen den Codecs h.264 und h.265 wählen mit Option 1 als Standard.

4K-Aufnahmen der Hauptkamera laufen mit 50 Mbit/s und sehen gestochen scharf aus. Nach den Fotoergebnissen wiesen die Videos aber überraschenderweise eine geringe Sättigung und einen begrenzten Dynamikumfang auf. Und zwar in allen Auflösungen und Bildraten bei allen drei Kameras. 4K 30fps bei zweifacher Vergrößerung stammen ebenfalls aus der Hauptkamera. Das Material ist nicht so scharf wie das, was eine dedizierte Sensor-/Kamera-Kombination ausgeben könnte.

Hauptkamera Weitwinkel / 2x Digitalzoom 4K 60fps

1080p 30fps der Ultra-Weitwinkelkamera ähneln den Videos der Hauptkamera. Der Dynamikbereich ist begrenzt und die Farben ein wenig leblos. Immerhin kommen die Details für 1080p sehr gut durch. Ähnlich sieht es bei zweifacher optischer Vergrößerung der Tele-Kamera aus. Die 1080p 30fps-Videos sehen besser aus als die digitale Vergrößerung der Hauptkamera. Der Dynamikumfang ist größer und die Farben lebendiger. Die Details kommen ebenfalls besser zum Vorschein.

Hauptkamera-Zeitlupen 1080p 240fps

Die Standardstabilisierung der Hauptkamera bei 4K 30fps liefert sehr stabile Aufnahmen, solange das Gimbal-System nur mit einer Achse kämpfen muss. Sobald man anfängt zu schwenken, fängt das Bildmaterial deutlich sichtbar an zu ruckeln. Das Ergebnis erinnert deutlich an den Vorgänger X51 Pro, welcher mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatte. Auch der 1080p 60fps „Super Anti-Shake“-Modus der Hauptkamera ändert daran nichts, wie man in unserem Action-Video sehen kann.

Action-Video Vivo X60 Pro vs. GoPro Hero 8 Black 4K 60fps

Merkwürdigerweise sieht das Material der anderen beiden Kameras besser aus, zumindest was die Stabilisierung angeht. Leichte Wackler sind auch beim Ultrawide zu erkennen, aber nicht ganz so drastisch wie beim Gimbal-Objektiv. Die 2x-Telekamera funktioniert bei 1080p 30fps sogar noch besser – die Aufnahmen gehören zu den stabilsten EIS-Videos, die wir bisher gesehen haben.

Alternativen

Alternativen zum Vivo X60 Pro zu finden ist gar nicht so einfach. Angesichts des hohen Preises rangieren die meisten Alternativen bereits in der absoluten Premium-Klasse. Wie das OnePlus 9, welches zwar keine Tele-Kamera bietet, dafür aber auch unter dem Ultra-Weitwinkel einen großen Sensor platziert. Nachtaufnahmen gelingen ihm damit besser als dem X60 Pro, dafür fehlt optischer Zoom. Den Antrieb übernimmt Qualcomms Snapdragon 888, der nochmal deutlich mehr Leistung als der SD870 im Vivo bietet. Stereolautsprecher, eine längere Akkulaufzeit und kürzere Ladezeiten sprechen ebenfalls für das OnePlus 9. Dem X60 Pro bleibt neben dem Zoomvorteil die edlere Optik und die hochwertigere Verarbeitung.

Das Samsung Galaxy S21 ist bereits für knapp 90 Euro weniger zu haben, während das Galaxy S21+ knapp 25 Euro mehr kostet. Beide haben ähnliche 120 Hz-AMOLED-Displays, die mit Gorilla Glass Victus geschützt sind. Als Chipsatz kommt Samsungs Eigenentwicklung Exynos 2100 zum Einsatz, der ähnlich schnell wie der SD888 läuft. Schutz gegen Wassereinbruch nach IP68, Stereolautsprecher und einen microSD-Steckplatz haben die S21-Modelle dem X60 ebenfalls voraus. Da X60 Pro kann neben dem deutlich edleren Design eigentlich nur mit dem Autofokus beim Ultrawide kontern. Hört sich wenig an, könnte aber für manchen Nutzer einen entscheidenden Faktor darstellen.

Auch bei Xiaomi findet man mit dem Mi 11 eine gute Alternative. Auch hier ist ein wunderschönes 120 Hz-AMOLED-Display mit Samsungs E5-Technologie verbaut. Den Antrieb übernimmt wie bei OnePlus der Snapdragon 888-Chipsatz. Die Hauptkamera löst 108 Megapixel auf und bietet so neben OIS allein wegen der hohen Auflösung große Reserven in Sachen Stabilisierung. Außerdem lädt das Mi 11 extrem schnell – mit oder ohne Kabel liegt die Ladeleistung bei sehr hohen 67 Watt.

Test-Fazit Vivo X60 Pro 5G

Design / Ergonomie - 9.5
Display - 9.5
CPU / Leistung - 9
Akku - 8
Kamera: Fotos - 9
Kamera: Videos - 8.5

8.9

Testurteil

Im Test punktete das Vivo X60 Pro 5G mit einem tollen Display, leistungsfähigen Kameras und einem sehr schnellen Chipsatz.

Pro

  • Hochwertige Verarbeitung, schönes Design
  • tolles Display mit 120 Hz Aktulisierungsrate
  • sehr viel Leistung dank Snapdragon 870-Chipsatz
  • hervorragende Bildqualität der Kamera in den meisten Szenarien und mit allen Objektiven
  • hervorragende Videostabilisierung.

Kontra

  • Akkulaufzeit enttäuschend
  • kein kabelloses Laden
  • nur ein Lautsprecher mit mäßiger Klangqualität
  • kein microSD-Slot
  • kein Spritzwasserschutz

Das Vivo X60 Pro ist ein hochpreisiger Einstieg in die obere Mittelklasse. Und genau dort ist die Konkurrenz möglicherweise am größten. Die Verarbeitung ist großartig, genauso wie das Design. Edler kann ein Smartphone aktuell kaum aussehen. Das AMOLED-Display ist ebenfalls großartig, der Chipsatz allem gewachsen und die Kameras produzieren in fast jeder Situation hervorragende Ergebnisse. Abgesehen vom Mono-Sound und der etwas kurzen Akkulaufzeit macht das X60 Pro nicht viel falsch. Aber ganz viel richtig.
Vivo X60 Pro 5G Preisvergleich

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