Android-Tests

Xiaomi Poco F3-Test: Schwer zu schlagen

Xiaomis Submarke Poco klingt zwar ein bisschen billig, hat aber bereits ein paar tolle Smartphones hervorgebracht. Dazu gehört das F2 Pro, welches sich mit einem leistungsstarken Kamerasetup und einem sehr guten Display viele Freunde gemacht hat. Der Nachfolger Xiaomi Poco F3, den wir heute testen, soll die legitime Nachfolge antreten.

Auf dem Papier bringt das F3 mit einem 6,67 Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hz-Aktualisierung, einem der derzeit schnellsten Chipsätze, dem Snapdragon 870 5G, Stereolautsprechern mit Dolby Atmos, drei Kameras und einem großen Akku mit Schnellladung alles mit. Die Hauptkamera löst 48 Megapixel auf, weniger als beim F2 Pro. Alles andere ist den technischen Daten nach aber deutlich leistungsfähiger. Außerdem ruft Xiaomi nur 349 Euro für das Poco F3 auf, im Gegensatz zu 500 Euro beim Vorgänger F2 Pro.

Unboxing

Das Poco F3 wird in einem schmalen Karton mit den üblichen gelben Poco-Insignien geliefert. Es gibt ein schnelles 33 Watt-Netzteil, ein USB-A-zu-C-Kabel mit 3A-Nennleistung und eine transparente Silikonhülle. Die Hülle hat eine kleine Schutzabdeckung für den USB-Anschluss, die zwar das Eindringen von Schmutz verhindert, mit einer Hand aber nur mühselig weit genug zur Seite zu schieben ist.

Eine 3,5 mm-Buchse gibt es nicht, dafür aber einen 3,5 mm-zu-USB-C-Adapter. Den Adapter braucht man auch, denn das mitgelieferte Headset hat den klassischen Klinkenstecker. Wenn Sie ein begeisterter Poco-Fan sind, werden Sie sich auch über eine Reihe von Poco-Aufklebern freuen. Eine sehr dünne Displayschutzfolie ist ebenfalls an Bord und bereits auf dem Poco F3 installiert.

Design und Verarbeitungsqualität

Das Poco F3 sieht dem Mi 11, Xiaomis aktuellem Flaggschiff, recht ähnlich. Das Display ist genauso wie die Rückseite durch Gorilla Glass 5 geschützt. Der gebogene und glänzende Kunststoffrahmen ist dem des Mi 11 nachempfunden. Was dem F3 fehlt, ist Schutz vor Wassereinbruch. Beim Poco X3 und X3 Pro gibt Xiaomi zumindest die Schutzklasse IP53 und eine wasserabweisende Beschichtung mit. Beim F3 finden sich aber die selben dünnen SIM- und USB-Dichtungen wie beim X3 Pro. Vor Spritzern sollte das F3 damit auch geschützt sein. Dass ein Handy für 349 Euro wasserdicht ist, kann man aber auch nicht wirklich erwarten.

Das Poco F3 ist in drei verschiedenen Farben erhältlich. Unsere Version ist in Arctic White gehalten, Night Black und Deep Ocean Blue stehen ebenfalls zur Wahl. Die Oberfläche sieht glänzend und spiegelglatt aus, Reflexionen sind höchstens ganz leicht zu sehen. Wie üblich zieht das Glas Fingerabdrücke wie ein Magnet an. Auf der Vorderseite blickt man auf das 6,67 Zoll große AMOLED-Display. Die Auflösung liegt bei 1.080 x 2.040 Pixeln, was FullHD entspricht. Die Bildwiederholfrequenz beträgt 120 Hz. Es ist ein schönes Upgrade gegenüber dem Poco F2 und wahrscheinlich ein ähnliches Panel wie das, was Xiaomi beim Redmi Note 10 Pro verbaut.

Xiaomi Poco F3

Die Bildschirmränder sind einigermaßen dünn ausgefallen, ebenso wie das Punchhole für die Selfiekamera, das extrem klein geraten ist. Der Fingerabdrucksensor sitzt nicht unter dem Display, sondern im Power-Button, was mit ein Grund für den günstigen Preis des F3 darstellen dürfte. Unter einem dünnen Gitter über dem Display befindet sich einer der Stereolautsprecher.

Es gibt keine Benachrichtigungs-LED am Poco F3. Daher sollte man sich entweder für „Breathing lights“ oder für das Always-On-Display entscheiden. Auf der rechten Seite findet man wie gewohnt die Lautstärkewippe und den Power-Button. Die Oberfläche des Power-Buttons dient gleichzeitig als permanenter und schneller Fingerabdruckscanner. Es hat uns nie im Stich gelassen, und die Geschwindigkeit und Genauigkeit waren jederzeit hervorragend. An der Oberseite des Poco F3 befinden sich zwei Gitter. Das erste ist für den oberen Lautsprecher vorgesehen, während das zweite ein weiteres Mikrofon und den IR-Sender beherbergt. Der andere Stereolautsprecher, der USB-C-Anschluss, der Dual-SIM-Slot und das primäre Mikrofon sind an der Unterseite verbaut.

Das Poco F3 misst 163,7 x 76,4 x 7,8 mm, was ungefähr dem Redmi Note 10 Pro entspricht. Es ist etwa 1-2 mm dünner als das Poco F2 und das Poco X3 Pro. Ähnliches zeigt sich beim Gewicht: Das F3 ist 196 Gramm schwer, rund 20 g leichter als das F2 Pro und das X3 Pro. Die Verarbeitung ist insbesondere für ein Smartphone der Mittelklasse hervorragend.

Display

Das Display des Poco F3 ist wahrscheinlich das größte und auffälligste Upgrade seit dem F2 Pro. Es ist immer noch ein 6,67 Zoll großes AMOLED-Panel mit erweiterter 1080p-Auflösung. Die Bildwiederholfrequenz liegt beim neuen Modell aber bei 120 Hz und die Touch Sampling-Rate bei 360 Hz. Die Bildschirmauflösung beträgt die typischen 1.080 x 2.400 Pixel, was eine Pixeldichte von 395ppi ergibt. Die Selfie-Kamera guckt durch ein winziges, zentrales Punchhole.

Das Display ist durch Gorilla Glass 5 geschützt. Es gibt auch eine HDR10+-Zertifizierung und in Kombination mit der Widevine L1 DRM-Unterstützung lässt sich so ziemlich jeder Video-Streaming-Dienst mit der maximalen Bildqualität nutzen. Wir haben verschiedene HDR-fähige Streaming-Dienste wie Netflix, Prime und YouTube ausprobiert und bei allen FullHD mit HDR auswählen können.

Bildwiederholfrequenz

Genau wie beim Redmi Note 10 Pro und beim Poco X3 Pro kann man zwischen einer Displayaktualisierungsrate von 60 Hz statisch oder 120 Hz adaptiv wählen. 120 Hz arbeitet dynamisch und wechselt je nach Inhalt automatisch zwischen 60 Hz, 90 Hz und 120 Hz. Laut Xiaomi sind minimal auch 30 Hz möglich. Über die bei Android integrierte Anzeige der Bildwiederholfrequenz konnte wir das aber nicht bestätigen.

120 Hz ist im adaptiven Modus die Standard-Wiederholfrequenz. Sobald das Bild statisch wird, schaltet das F3 zugunsten des Akkus auf 60 Hz zurück. Der Task-Switcher oder der Bild-in-Bild-Modus verwenden 90 Hz. Bei unterstützten Apps und Spielen kommen die vollen 120 Hz zum Einsatz. Bei Netflix, YouTube, Prime Video oder dem Standard-Mi-Video-Player sind es 60 Hz.

Poco verspricht, dass das F3-Display beim Ansehen von HDR-Videoinhalten eine maximale automatische Helligkeit von 900 Nits (typisch) und 1300 Nits (Peak / Local) erreichen kann. Die normale automatische Helligkeit liegt bei 700 Nits. Diese werden entweder im Modus für automatische Helligkeit oder beim Sunlight Boost im manuellen Helligkeitsmodus verwendet. Ansonsten beträgt die maximale Helligkeit am Ende des Helligkeitsreglers 511 Nits, was immernoch für so ziemlich jede Situation ausreicht.

Eine Sache, die uns nicht gefallen hat, sind die Helligkeitsstufen. Bei rund 85% des Schiebereglers liegen erst 200 Nits an. Die restlichen gut 300 Nits verteilen sich auf die letzten 15% der Skala. Das macht das exakte Einstellen der Helligkeit recht mühsam.

Farbeinstellungen

Das Poco F3 bietet außerdem eine AI Image Engine, die zwei Funktionen hat: Die erste ist die Konvertierung von SDR-Medien in HDR für unterwegs. Die zweite ist die MEMC-Bewegungsinterpolation von Filmmaterial mit niedriger Bildrate zu hoher Bildrate. Letztere führte in unseren Tests bei einigen Videos zu einem seifenoperähnlichen Effekt. Sollte die Bildqualität also nicht den Erwartungen entsprechen, verzichten Sie einfach auf MEMC.

Es gibt drei vordefinierte Farbeinstellungen: Auto, Gesättigt und Originalfarbe. Jede Einstellung steht für einen bestimmten Farbraum. In Auto werden Inhalte mit großem Farbumfang originalgetreu wiedergegeben. Der Modus passt die Farben aber auch an die aktuelle Beleuchtung an, ähnlich der True Tone-Funktion von Apple. Bei normalen Tageslichtbedingungen ist die Kalibrierung sehr gut, mit nur minimalen bläulichen Verfärbungen bei Weiß- und Grautönen. Der gesättigte Modus macht die Farben deutlich kräftiger – für unseren Geschmack etwas zu viel.

Android 11 mit MIUI 12 im Poco-Kleid

Das Poco F3 läuft direkt zum Start mit Android 11. Darüber liegt MIUI 12 mit einigen kleinen Poco-Änderungen. Die MIUI 12-Version gibt es schon eine Weile. Die neuere Android 11-Basis ist daher teilweise nur schwierig zu erkennen. Der Poco-Launcher verwendet ein etwas anderes Systemthema, einschließlich anderer Symbolen. Wie üblich kann man aber so ziemlich alles den eigenen Vorlieben anpassen.

Entsperrt wird über den seitlich angebrachten Fingerabdruckscanner. Der Sensor ist einfach einzurichten, blitzschnell und die Genauigkeit ist hervorragend. Als Entsperrmethode lässt sich Drücken und Berühren auswählen. Wir raten zum Drücken, da der Scanner sonst permanent Finger, Handflächen und alles andere scannt und am Ende die Entsperrung ziemlich sicher deaktiviert, bis man seine PIN eingibt. 2D-Gesichtsentsperrung ist ebenfalls möglich, aber deutlich unsicherer als die Fingerabdruckoption.

MIUI 12

Die Homescreens funktionieren wie gewohnt. Sie sind mit Verknüpfungen, Ordnern und Widgets gefüllt. Ganz links findet man Google Discover, falls man es aktiviert lässt. Im Gegensatz zum Poco X3 Pro und zum Redmi Note 10 Pro unterstützt das Poco F3 auch Super Wallpaper. Die Super Wallpaper sind nicht bahnbrechend, aber recht hübsch anzusehen. Es stehen drei zur Auswahl: Home (Erde), The Red Planet (Mars) oder Geometry.

Einstellungen

MIUI 12 kommt mit einem App-Drawer, aber anders als bei den Redmi-Handys kann man diesen beim Poco F3 nicht deaktivieren. Er organisiert die Apps automatisch in Kategorien. In der ersten Kategorie sind alle Apps zu finden. Anschließend folgen Kommunikation, Unterhaltung, Fotografie, Tools, Neu und Business. Man die Kategorien auch bearbeiten oder ganz deaktivieren.

Ein weiteres interessantes Feature ist die Möglichkeit, Notification Center und Control Center zu trennen. In der Standard-Ansicht sieht man die fünf wichtigsten Verknüpfungen, den Helligkeitsregler und die Benachrichtigungen. Teilt man den Bereich auf, zieht man von linken oberen Rand das Notification Center und vom rechten oberen Rand das Control Center auf. Letzteres bekommt dadurch außerdem ein neues Design, welches ziemlich stark von Apples iPhones abgekupfert ist. Optisch macht das Ganze aber deutlich mehr her und wir fanden die geteilte Ansicht auch praktischer.

Notification Center / Control Center

Das Poco F3 unterstützt ein Always-On-Display. Das Feature kann man ein- und ausschalten oder nach einem Zeitplan laufen lassen. MIUI 12 bietet eine Vielzahl von AOD-Themen, die man ebenfalls individualisieren kann. Da es keine Benachrichtigungs-LED gibt, ist das AOD ein Weg, um sich über neue Mails oder Nachrichten zu informieren zu lassen. Ein anderer Weg führt über die gebogenen Seiten des Displays. Diese können bei neuen Benachrichtigungen in diversen Stilen und Farben leuchten. Wählt man den zweiten Weg, kann man auf das AOD verzichten und ein bisschen Strom sparen.

Always-On-Display

Themes sind in MIUI 12 ebenfalls verfügbar. Man kann neue Themes aus einem Store herunterladen oder Hintergrundbilder, Klingeltöne, Systemsymbole, Systemschriftarten und sogar den AOD-Stil einzeln ändern. Xiaomi hat MIUI 12 außerdem um einige zusätzliche Datenschutzoptionen erweitert. Gibt man Inhalte wie Fotos und Videos frei, kann man Standortinformationen oder andere Metadaten einschließlich Geräteinformationen automatisch entfernen und so die Privatsphäre schützen.

Eine Sicherheits-App ist auch an Bord, die nach Malware sucht, Blacklists und Datennutzung verwaltet, das Batterieverhalten konfiguriert und RAM freigibt. Sie kann auch die Berechtigungen installierter Apps und deren Stromverbrauch verwalten. Proprietäre Galerie-, Musik- und Videoplayer sind ebenfalls installiert, genauso wie die Mi Remote-App für den IR-Sender. Auf ein UKW-Radio muss man dagegen verzichten. Ein dunkler Modus wird auch unterstützt.

MIUI 12 ist vollständig für die Arbeit mit HRR-Displays optimiert und sieht auf dem Poco F3 großartig aus. Alles arbeitet flüssig und schnell, die Animationen sehen toll aus mit viel Liebe zum Detail. Nachdem wir einmal den 120 Hz-Modus des Poco F3 aktiviert hatten, mochten wir ihn nicht mehr missen.

CPU / Leistung

Das Poco F3 läuft mit einem der schnellsten aktuell verfügbaren Chipsätze – dem kürzlich vorgestellten Snapdragon 870 5G. Der SD870 basiert auf dem Flaggschiff-SoC vom letzten Jahr, dem SD865. Die Taktraten der CPU wurden aber erhöht und der Hauptkern läuft jetzt mit bis zu 3,2 GHz. Auch die Adreno 650-GPU gehört immer noch zu den leistungsstärksten ihrer Art. Es gibt zwei Varianten des F3: 6 GB RAM plus 128 GB Speicher und 8 GB RAM plus 256 GB Speicher. Beide verwenden LPDDR5-RAM und UFS3.1-Speicher. Dementsprechend beeindruckend waren die Ergebnisse in unseren Geekbench-Tests.

Geekbench-Benchmark-Testergebnis

Angesichts der Auflösung von 1080p könnte man sagen, dass das Leistungspotential fast schon übertrieben hoch ist. Wir haben viel mit dem Handy gespielt und weder Verzögerungen noch Stottern oder sonstige Displayprobleme bemerkt. Alle Spiele liefen absolut flüssig. Außerdem hat sich das F3 bei den Benchmarks nie genug erwärmt, um von der Software eingebremst zu werden. Die Geekbench-Werte variierten zwar nach diversen Läufen um wenige Prozentpunkte und das Gehäuse des F3 wurde warm, aber niemals heiß.

Akku

Das Poco F3 wird von einem 4.520 mAh großen Akku mit Strom versorgt. Damit ist man gut versorgt, Rekorde bricht das Handy aber nicht. Das F2 hatte 200 mAh mehr, das Redmi Note 10 Pro und das Poco X3 Pro haben 500 mAh zusätzlich. In der Praxis kommt man aber problemlos über den Tag. Unabhängig davon, ab man stundenlang surft, telefoniert oder im Internet surft – das F3 hielt immer mindestens 24h durch.

Xiaomi Poco F3 Akku

Mi Turbo Charge

Genau wie das Redmi Note 10 Pro und das Poco X3 Pro unterstützt auch das Poco F3 33 Watt schnelles Laden, bei Xiaomi Mi Turbo Charge genannt. Der passende 33 Watt-Adapter ist genauso im Lieferumfang enthalten wie ein 3A-Kabel. Damit konnten wir den komplett leeren Akku in 30 Minuten zu 67% füllen. Eine vollständige Aufladung dauerte 56 Minuten. Für ein Smartphone der Mittelklasse ein sehr guter Wert.

Lautsprecher
Das Poco F3 verfügt über ein Hybrid-Stereolautsprecher-Setup, bei dem der Ohrhörer auch als zweiter Lautsprecher fungiert. Beim Redmi Note 10 Pro und beim X3 Pro schienen oben und unten identische Lautsprecher zum Einsatz zu kommen, beim Poco F3 nicht. Der obere Lautsprecher verfügt über zwei Gitter – eines nach vorne und eines oben am Rahmen. Die Front lässt hohe Frequenzen durch, während oben etwas mehr Bass kommt. Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass der obere Lautsprecher etwas leiser als der untere ist.

Dementsprechend wirkte der Ton aus dem unteren Lautsprecher etwas lauter und bassiger mit gleichzeitig exzellenten Mitteltönen. Einzig die hohen Frequenzen fielen im Vergleich mit dem oberen Lautsprecher etwas ab. Zusammen erreichte das Stereo-Setup eine sehr gute Gesamtlautstärke mit einem ausgewogenen, gut ausbalancierten Klang. Sowohl Bässe als auch mittlere und hohe Töne kamen gut zur Geltung.

Kamera: Fotos

Das Poco F3 hat eine Dreifachkamera auf der Rückseite, die der des Poco X3 Pro ähnelt. Anstelle eines Tiefensensors verbaut Xiaomi aber eine bessere Makrokamera mit Autofokus. Die 20 Megapixel-Selfie-Kamera ähnelt ebenfalls der des X3 Pro. Die Hauptkamera löst 48 Megapixel auf einem Sony IMX 582-Quad-Bayer-1/2 Zoll-Sensor auf. Die Pixel sind 0,8 µm groß, die Brennweite liegt bei 25 mm und die Blende bei 1:1,8. Ein Nachtmodus steht für die Hauptkamera ebenfalls zur Verfügung.

Die zweite Kamera deckt mit einem 8 Megapixel-1/4 Zoll-Sony IMX355-Sensor und einem 15 mm 1:2,2-Objektiv den Ultraweitwinkel ab. Der Fokus ist fest eingestellt. Auch hier ist der Nachtmodus verfügbar. Die dritte und letzte Kamera ist eine Makro-Linse mit einem 5 Megapixel-Samsung S5K5E8-Sensor mit 1,75 µm großen Pixeln und einem 49 mm 1:2,4-Tele-Makroobjektiv. Autofokus ist am Start und arbeitet zwischen 3 und 7 cm Abstand. Die Selfie-Kamera verfügt über einen 20 Megapixel-Samsung S5K3T2-ISOCELL-Plus-Sensor von 1/3,4 Zoll Größe. Die Brennweite beträgt 26 mm, die Blende 1:2,2. Der Fokus ist wie beim Ultrawide fest eingestellt.

Kamera-App

Die Kamera-App kommt im typischen MIUI-Kleid. Das Umschalten zwischen den Modi erfolgt durch Wischen nach links und rechts. Alle verfügbaren Modi außer dem Makro-Modus befinden sich auf diesem Rolodex. Die Zoomverknüpfung im Sucher wechselt zwischen dem Ultraweitwinkel, dem Standard-Objektiv und zweifachem Digital-Zoom.

Am gegenüberliegenden Ende des Suchers tummeln sich der Blitzmodus, HDR, AI, Google-Lens und ein Zauberstab mit Schönheitseffekten und Filtern. Im Hauptmenü findet man einige weitere Optionen, darunter den Makromodus und die Verknüpfung zu den Einstellungen. Was fehlt, ist eine Option zum Einstellen der Ausgabeauflösung für eine der Kameras.

Der Pro-Modus funktioniert mit allen drei Kameras. Manuelle 48 Megapixel-Fotos sind ebenfalls eine Option. Für die Hauptkamera kann man eine Verschlusszeit von bis zu 30 Sekunden und einen ISO-Wert von bis zu 6400 auswählen. Das Ultrawide hält ebenfalls maximal 30 Sekunden die Blende offen, während das Makroobjektiv spätestens nach einer 1/4 Sekunde den Vorhang schließt.

Bildqualität bei Tageslicht

Die normalen 12 Megapixel-Fotos der Hauptkamera sehen gut aus und entsprechen den Erwartungen an eine Mittelklasse-Kamera. Sie sind dem 108 Megapixel-Sensor des Redmi Note 10 Pro nicht gewachsen, können aber mit den anderen Mitbewerbern in der Preisklasse gut mithalten. Die aufgelösten Details sind in Ordnung und die Fotos sehen gestochen scharf aus. Zoomt man aber in die Bilder hinein, fehlen feine Details. Hier arbeitet die Software etwas zu stark und die Bereiche werden weich, überbearbeitet oder verschmiert. Oder alles zusammen. Positiv zu vermerken sind die hervorragenden Kontrastwerte und ein natürlicher Dynamikbereich.

Xiaomi Poco F3 Testfotos

Hauptkamera

Wie viele andere Hersteller auch bietet Xiaomi einen Assistenten namens AI (Artifical Intelligence, künstliche Intelligenz), der automatisch die besten Farb- und Belichtungsoptionen für ein Motiv wählen soll. Einmal aktiviert, erkennt die Kamera-App hier und da blaue Himmel, grüne Flachen oder auch Gebäude. In den meisten Fällen erhöht AI dann die Sättigung und den Kontrast. Wir fanden die AI-Fotos insgesamt besser und haben die Einstellungen dem digitalen Assistenten überlassen.

Xiaomi Poco F3 Testfotos

Ultraweitwinkel

Die 8 Megapixel-Fotos der Ultrawide-Kamera sind durchschnittlich. Sobald keine perfekten Bedingungen herrschen, sehen sie weich aus, was an der Rauschunterdrückung liegen dürfte. Der Dynamikbereich ist in Ordnung, die Farben realistisch und der große Bildwinkel kann manches Foto retten. Man fragt sich aber regelmäßig, ob man ein mittelmäßiges Ultrawide-Foto nicht lieber gegen den Panoramamodus tauscht oder einfach die eigene Position ändert. Manche Nutzer mögen aber auch einfach das Aussehen von Ultrawide-Bildern. Diese dürften spätestens in Situationen mit wenig Licht vor Probleme stoßen.

Ultraweitwinkel / Hauptkamera / 2x-Digitalzoom

Die Kamera-App bietet einen 2x-Zoom-Umschalter am Sucher, es gibt jedoch kein Tele-Objektiv. Das Poco F3 kann aber aufgrund der Sensorgröße von „nur“ 48 Megapixeln nicht verlustfrei zoomen, wie das Realme 8 Pro. Stattdessen macht das F3 das, was jede normale Kamera tun würde – Zuschneiden und Hochskalieren. Die gezoomten Fotos sehen auf dem Display gut aus, man sollte sie aber lieber nicht Pixel für Pixel untersuchen.

Xiaomi Poco F3 Testfotos

2x-Digitalzoom

Man kann auch mit den vollen 48 Megapixeln aufnehmen, sollte aber keine Wunder erwarten. Die Fotos werden weniger nachbearbeitet und zeigen etwas mehr Details. Die Bildverarbeitung dauert aber spürbar länger und die Dateien sind deutlich größer. Insgesamt sind die Vorteile bestenfalls marginal, wir raten daher von diesem Modus ab.

Die 5 Megapixel-Makrokamera verfügt über Autofokus und arbeitet im Bereich von 3 bis 7 cm. Man braucht eine ruhige Hand und genug Licht. Dann gelingen aber spektakuläre Bilder, die fast schon an ein Mikroskop erinnern. Die Details, der Kontrast und die Farben können vielleicht nicht mit Flaggschiff-Handys wie dem Samsung Galaxy S21 Ultra und schon gar nicht mit den Makro-Fähigkeiten eines Oppo Find X3 Pro mithalten. Für die Preisklasse des F3 fanden wir die Bilder aber sehenswert.

Makrokamera

Das Poco F3 verfügt über keinen Tiefensensor. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum die Motivtrennung bei der Aufnahme von Porträts nicht so gut wie beim Poco X3 Pro oder beim Redmi Note 10 Pro gelingt. Die 12 Megapixel-Porträtaufnahmen sind genauso detailliert wie die normalen Fotos und von schöner Unschärfe gekennzeichnet. Mit Pech können aber schon ein paar Haarsträhnen dazu führen, dass einen die AI im Stich lässt.

Die 20 Megapixel-Selfie-Fotos landen auf einem Quad-Bayer-Sensor, der eine gewisse Hochskalierung vornimmt. Trotzdem sehen die Selfies ganz gut aus. Ein bisschen mehr Schärfe täte den Fotos ganz gut, aber die Hauttöne kommen sehr gut heraus und auch die Farbe und der Kontrast können sich sehen lassen. Und obwohl der Fokus fest eingestellt ist, hat man einen gewissen Spielraum für die Fokusebene und normalerweise keine Probleme. Porträt-Selfies sind auch möglich, allerdings mit gemischtem Erfolg. Die Trennung ist nicht so gut und dank simulierter Unschärfe sind abgeschnittene Ohren und / oder Haare keine Seltenheit.

Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen

Xiaomi Poco F3 Testfotos

Hauptkamera Nachtmodus

Die Hauptkamera macht für die Klasse sehr gute Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Belichtung ist ausgewogen, die Farbsättigung ebenso gut wie der Kontrast. Der Nachtmodus, oben zu sehen, braucht etwa zwei Sekunden für ein Foto und speichert ein etwas helleres Bild mit etwas mehr Details in den Schatten. Die Bilder sehen auch schärfer und sauberer aus. Die Vorteile halten sich aber insgesamt in Grenzen.

Hauptkamera

Ganz anders schlägt sich da die Ultrawide-Kamera – die Bilder sind wirklich schlecht. Sie sind dunkel, verwaschen und von starkem Rauschen gekennzeichnet. Der Nachtmodus ist auch für das Ultrawide verfügbar und bringt etwas mehr Licht ins Dunkel. Die Qualität wird dadurch aber nicht besser.

Ultraweitwinkel

Kamera: Videos

Der Poco F3 nimmt mit seiner Hauptkamera Videos mit bis zu 4K bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Ebenfalls verfügbar sind 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde und 1080p bei 30 Bildern pro Sekunde. Das Ultraweitwinkel-Objektiv und die Makrokamera sind auf 1080p bei 30fps begrenzt. Die elektronische Bildstabilisierung EIS arbeitet sowohl mit der Hauptkamera als auch mit dem Ultrawide zusammen und zwar bei allen Auflösungen und Bildraten. Drei Mikrofone nehmen 360 Grad-Surround-Sound auf, entfernen Hintergrundgeräusche und folgen den Zoom-Stufen der Kameras.

Ultraweitwinkel 1080p 30fps

Zunächst zur Ultraweitwinkel-Kamera: Die Qualität des Filmmaterials geht in Ordnung. Es gibt ein bisschen zu viel Kontrast und die Videos sind kräftig nachgeschärft. Sobald aber die Lichtverhältnisse etwas schwieriger werden, gilt dasselbe wie bei Fotos: Finger weg vom Ultrawide-Objektiv. Oder von 4K-Nachtvideos – wenig Details paaren sich hier mit fehlenden Highlights und extrem hohem Rauschen.

Weitwinkel / 2x Digitalzoom 1080p 60fps

Dreht man in der Hauptkamera auf die maximalen 4K bei 30 fps auf, liegt die Bitrate bei rund 40-42 Mbit/s. Die Stereo-Audio-Spur wird in 320 Kbps gespeichert. Die Videos bei Tageslicht sehen sehr gut aus. Es gibt viele Details, schöne Farben und Kontraste. Auch der Dynamikbereich geht in Ordnung.

Weitwinkel / 2x Digitalzoom 4K 30fps

Ob man nun 1080p bei 60 fps oder 4K bei 30 fps nutzt, hängt vom Videomaterial ab. Wartet zuhause der neue 4K-Fernseher auf den nächsten Fotoabend, kann sich die hohe Auflösung lohnen. Filmt man sich schnell bewegende Motive, sollte man zur hohen Bildrate greifen. Als Action-Cam eignet sich das Poco F3 allerdings nicht, wie man im nächsten Video sieht. Einen SuperSteady-Modus gibt es genauso wenig wie optische Bildstabilisierung. Lediglich die elektronische Stabilisierung EIS tut ihr möglichstes.

Weitwinkel 1080p 60fps in Bewegung

Alternativen

Das Poco F3 ist ein leistungsfähiges Smartphone mit einem großartigen Design, einem beeindruckenden Bildschirm, einem leistungsstarken Chipsatz und einem großen Akku. Es ist kein wasserbeständiges Telefon, und das Kameraerlebnis ist eher durchschnittlich, aber mit einem Preis von 300 bis 350 Euro ist es kaum zu schlagen.

Das Poco X3 Pro ist rund 50 Euro günstiger und teilt sich viele technische Daten mit dem F3. Wie das Display, welches aber auf LCD-Technik anstelle von AMOLED setzt. Der Snapdragon 860-Chip mit 4G-Konnektivität läuft nicht viel langsamer und ist ebenfalls jeder Aufgabe gewachsen. Lautsprecher, Kameras und Software sind fast identisch. Zusätzlich ist Schutz gegen Spritzwasser nach IP53 verbaut.

Das Redmi Note 10 Pro geht aktuell für rund 280 Euro über den Tisch. Es hat ebenfalls viel mit dem Poco F3 gemeinsam, darunter ein ähnliches Design, das gleiche 120 Hz-AMOLED-Display und die sekundären Kameras. Das Redmi Note 10 Pro setzt aber auf den deutlich langsameren Snapdragon 732G-Chipsatz. Während man bei Spielen somit Abstriche machen muss, verbaut Xiaomi eine deutlich leistungsfähigere 108 Megapixel-Hauptkamera.

Für 50 Euro mehr gibt es den neuesten Ableger aus der Mi 11-Serie, das Mi 11 Lite 5G. Das 90 Hz-AMOLED-Display unterstützt 10 Bit und kann mehr als 1 Milliarde Farben darstellen. Der Snapdragon 780 5G-Prozessor ist deutlich langsamer als der SD870. Das liegt aber am extrem hohen Tempo des SD870 – in der Mittelklasse gehört der 780 trotzdem zu den schnellsten Optionen am Markt. Die Kamera liefert dank der Auflösung von 64 Megapixeln etwas bessere Bildqualität.

Außerhalb des Xiaomi-Universums lohnt sich ein Blick auf das 300 Euro teure Realme 8 Pro und das 350 Euro teure Samsung Galaxy A52. Das Realme 8 Pro beeindruckt mit einer 108 Megapixel-Hauptkamera mit 3x verlustfreiem Zoom. Das AMOLED-Display ist auf 60 Hz und der Snapdragon 720G in jeder Hinsicht begrenzt. Das Galaxy bringt Schutz nach IP67 und ein 90 Hz-Super-AMOLED-Display mit. Die Kameraqualität ist nicht zuletzt dank einer Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung beim A52 besser. OIS bietet kein anderes Handy in dieser Preisklasse. Beim Chipsatz setzt auch Samsung auf den langsamen SD720G.

Test-Fazit Xiaomi Poco F3

Design / Ergonomie - 8.5
Display - 9
CPU / Leistung - 9
Akku - 8.5
Kamera: Fotos - 7
Kamera: Videos - 7

8.2

Testurteil

Im Test punktete das Xiaomi Poco F3 mit einem ausgezeichneten Display, 5G und einem der schnellsten Chipsätze auf dem Markt. Mehr Handy fürs Geld gibt es derzeit nicht.

Pro

  • sehr gutes 6,67 Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hz
  • hervorragende Leistung dank Snapdragon 870-CPU
  • MIUI 12 mit schickem Design
  • guter Akku mit Schnellladung
  • 5G
  • Stereo-Sound mit Dolby Atmos, 3 Mikrofone
  • hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis

Kontra

  • Ultrawide-Kamera im Dunkeln nicht zu gebrauchen
  • Videoqualität im Dunkeln schlecht

Das Xiaomi Poco F3 ist ein großartiges Smartphone, das hervorragende Leistung zu einem Schnäppchenpreis bietet. Sowohl den Snapdragon 870-Chipsatz als auch das 120 Hz-AMOLED-Display findet man normalerweise in Flaggschiff-Handys. Dazu wirft Xiaomi Stereolautsprecher, schnelles Aufladen eines großen Akkus und ein schickes Design mit MIUI 12 in den Ring.

Der Poco F3 ist aber auch nicht perfekt. Nur die Hauptkamera bringt verlässlich gute Ergebnisse und es gibt weder eine 3,5 mm-Buchse noch einen microSD-Steckplatz oder eine offizielle IP-Schutzart. Für einen Preis von 350 Euro ist das Poco F3 aber kaum zu schlagen und dürfte für viele potenzielle Käufer die erste Wahl werden. Wer mit dem mittelmäßigen Kamera-Setup leben kann, wird das F3 lieben.
Preis bei Amazon

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
6 Comments
Älteste
Neueste Meiste Votes
Inline Feedbacks
Alle Kommentare zeigen
Knuuut
Knuuut
1 Monat zuvor

Gerade gekauft. Beste Entscheidung!!

Nordkind
Nordkind
1 Monat zuvor

Schwanke zwischen dem F3 und dem Note 10 Pro. Beide leider geil.

LarsS
LarsS
1 Monat zuvor
Antwort auf  Nordkind

F3 mehr Leistung, Note 10 Pro bessere Kamera. Frage der Prioritäten.

Nobbi
Nobbi
1 Monat zuvor
Antwort auf  LarsS

Gibt noch einen anderen Punkt zu bedenken: Das Redmi Note 10 Pro kam mit Android 9 auf den Markt, das F3 mit 11. Bedeutet potentiell zwei große Updates längeren Support.

Leon
Leon
1 Monat zuvor

Bin hin und her gerissen. Megaleistung mit S870 aber Kamera ist schon schwach 😐

Marc-Oliver
Marc-Oliver
1 Monat zuvor
Antwort auf  Leon

Heute kommt das Mi 11i mit besserer Hauptkamera aber selber schlechter Ultraweitwinkelkamera, falls das ne Option ist.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
6
0
Kommentar schreiben!x
()
x