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Microsoft Surface Duo-Test: Tragisch schön

Nach einem ausgiebigen Test könnte man das Microsoft Surface Duo als eine schöne Tragödie bezeichnen. Ich war noch nie so verliebt und gleichzeitig so frustriert bei einem Handy. Dabei ist das Surface Duo so viel mehr als ein schnödes Telefon. Es ist ein Android-Produktivitätskraftwerk mit zwei Displays für 1.399 US-Dollar. Und man kann viele Dinge auf dem Surface Duo erledigen, die man auf anderen Smartphones einfach nicht erledigen kann. Oder zumindest nicht so effizient. Und dennoch kämpft man beim Surface Duo manchmal mit den einfachsten Sachen. Es gibt auch noch so einige Softwareprobleme zu fixen, was zum großen Teil auf das herausfordernde Design mit zwei Displays zurückzuführen ist. Was das Microsoft Surface Duo schon jetzt gut kann, klärt unser Test.

Design / Ergonomie

Das Surface Duo sieht in Bildern fast schon ein wenig langweilig aus. In Zeiten von Geräten mit flexiblen, gebogenen, randlosen Displays kommt das Surface Duo mit zwei separaten, konventionellen 5,6 Zoll-Gorilla-Glas-Panels mit riesigen Einfassungen daher. Man könnte meinen, man wäre in 2015 gelandet und jemand hätte zwei alte iPads zusammengeklebt. Das Äußere des Smartphones ist mit weiß lackiertem Glas in einem mattweißen Rahmen verkleidet. Einzig die Edelstahl-Scharniere und das gespiegelte Microsoft-Logo lockern das Design auf. Aber dann hält man das Surface Duo in der Hand und trotz des tristen Äußeren fühlt es sich besonders an.

Das hat viel damit zu tun, dass das Surface Duo phänomenal dünn ist. Mit einer Tiefe von nur 4,8 mm ist das Dual-Screen-Telefon von Microsoft im geschlossenen Zustand etwa so hoch wie ein Galaxy Note 20 Ultra, wenn man den mächtigen Kamerabuckel auf dem Samsung-Handy ignoriert. Da Smartphones in den letzten zehn Jahren immer komplexer wurden, mussten die Hersteller Kompromisse eingehen. In extrem flache Handys bekommt man nun mal keine großen Akkus und Antennenarrays.

Die Verarbeitungsqualität ist tadellos. Für ein so schlankes Telefon fühlt sich das Surface Duo bemerkenswert robust an, egal wie man es hält oder ausrichtet. Das Scharnier arbeitet mit genau dem richtigen Widerstand. Beim Aufstellen auf einem Tisch bleibt es an Ort und Stelle, beim Öffnen und Schließen arbeitet es gleichzeitig leicht und sicher. Das Schließen des Surface Duo ist mit einem angenehm gedämpften Klatschen verbunden. Es macht einfach Spaß, es in der Hand zu haben und damit zu arbeiten. Das Surface Duo fühlt sich unglaublich speziell an, und vieles davon hat damit zu tun, wie phänomenal schlank das Design ausgefallen ist.  Trotzdem haben die Proportionen des Surface Duo einige Nachteile, unabhängig davon, wie gut sich das Gerät in der Hand anfühlt. Aufgrund der geringen Höhe konnte Microsoft anscheinend weder drahtloses Laden noch NFC verbauen. Beides gehört heutzutage zum Standard in jedem 200 Euro-Handy. Von einem Telefon für 1.400 US-Dollar erwartet man das ohne jeden Zweifel.

Aufgrund seiner Breite ist das Surface Duo kein Gerät, das man in der Hosentasche mit sich herumträgt. Im geschlossenen Zustand kommt es auf 93,3 mm, ein Galaxy Note 20 liegt gerade mal bei 75,2 mm. Daher könnte man auf die Idee kommen, es in der Gesäßtasche zu verstauen. Dann guckt es aber oben raus und wenn es ganz dumm läuft, setzt man sich drauf. So hart Microsoft auch daran gearbeitet hat, das Surface Duo so kompakt wie möglich zu machen – manchmal ist es immer noch ein bisschen unhandlich. Und noch eine Design-Kuriosität: Microsoft ist großzügig genug, um dem Surface Duo ein Case aus Silikon beizulegen. Das Case hat allerdings kleine Rillen, die an den Rändern des Telefons quasi einrasten. So kommt eine Ehe-artige Verbindung auf Lebenszeit zustande. Gehen Sie daher sicher, dass sie das Case einmal angelegt nie wieder abnehmen möchten.

Display

Kritiker mögen die Entscheidung von Microsoft bemängeln, auf dem Surface Duo zwei 5,6 Zoll-AMOLED-Displays anstelle eines großen, biegsamen Bildschirms zu verwenden. Es gibt aber gute Gründe für diesen Ansatz. Abgesehen von all den offensichtlichen Vorteilen, wie Langlebigkeit und Kosteneinsparung, eignet sich dieses Design besser für Multitasking. Microsoft zieht es vor, jedes Display des Duos als eigenständiges Fenster zu betrachten. Daher spielt die Lücke durch das Scharnier keine große Rolle. Der Nutzer wird sowieso nicht wirklich dazu ermutigt, eine einzelne App auf beide Panels zu maximieren.

Das einzige Szenario, in dem die Verwendung beider Displays für eine einzelne App besonders nützlich ist, liegt im Hochkant-Format. Aus zwei 4:3 5,6 Zoll-Displays wird so ein großer 8,1 Zoll-Screen mit engerem Seitenverhältnis. Vor allem beim Scrollen durch Webseiten oder Social-Media-Feeds macht das Format wirklich Spaß. Das Tippen wird dadurch erleichtert, dass Microsoft seine Swiftkey-Tastatur für die Einhandbedienung aufteilt, je nachdem, von welcher Seite Sie sich ihr nähern. Die Tastatur wird jedoch etwas zu breit und umständlich, wenn Sie das Surface Duo im 90 Grad-Winkel halten, wie bei einem Nintendo DS. Die Anzeige wandert dann nach oben, während die Tastatur das gesamte untere Bedienfeld einnimmt.

Das Seitenverhältnis von 4:3 ist auch nicht wirklich auf der Höhe der Zeit, was moderne Medienformate angeht – YouTube wird von viel Schwarz umrandet. Trotzdem sehen die Videos auf den zwei 1.800 x 1.350 Pixel-Displays des Surface Duo immer noch gut aus. Farbtemperatur und Helligkeit beider Bildschirme sind nahezu identisch. In der Praxis merkt man keinen Unterschied zwischen der Darstellung von Apps, Videos und Spielen auf beiden Panels des Duo. Im Test haben wir eine Spitzenhelligkeit von 458 Nits auf dem linken Display und 461 Nits auf dem rechten Display gemessen. Die Farben sind ebenfalls sehr nahe beieinander: Das Duo rendert 133,9% und 132% des sRGB-Farbraums auf der linken und rechten Seite mit Delta-E-Werten von 0,26 bzw. 0,28. Damit reiht sich Microsoft unter anderen erstklassigen Geräten wie dem Galaxy Note 20 Ultra ein, das in diesen Tests 121,5% und 0,24 erzielte. Das Note leuchtet mit 662 Nits allerdings viel heller und bietet außerdem eine dynamische Bildwiederholfrequenz von 120 Hz. Letzteres sucht man auf dem Microsoft-Gerät vergeblich.

Was ist gut an der Software?

Egal, wie gut sich das Surface Duo anfühlt oder wie hübsch seine Displays aussehen, die Nutzererfahrung mit der Software hat dieses Smartphone am Ende immer zum Scheitern verurteilt. Während Google Android im Laufe der Jahre auch bei flexiblen Geräten oder mehreren Displays immer wieder auf die Höhe der Zeit gebraucht hat, handelt es sich immer noch um ein Betriebssystem, das im Kern nicht wirklich für das gedacht ist, was Microsoft hier versucht. Wenn das Surface Duo funktioniert, funktioniert es wirklich gut. Ich finde es toll, wie einfach und intuitiv Microsoft das System zum Verschieben von Apps zwischen den Displays implementiert hat. Jeder Bildschirm verfügt über eine eigene Gesten-Navigationsleiste, wie dies bei vielen Android-Handys üblich ist.

Wenn eine App jedoch auf einem Bildschirm geöffnet ist, können Sie sie von dieser Leiste aus aufrufen und in das andere Bedienfeld verschieben. Bewegt man sie zwischen beide Bildschirme, wird sie auf den gesamten Platz beider Panels maximiert. Einen Taskmanager für die Übersicht über alle laufenden Apps gibt es ebenfalls. Das Highlight des Surface Duo ist aber sicherlich das Arbeiten mit zwei Apps, eine pro Seite. WhatsApp und Galerie, Browser und E-Mail, TikTok und Instagram, Einkaufszettel und Rezept-Webseite, es gibt keine Grenzen. Wie bei den Foldables von Samsung können Sie Verknüpfungen erstellen, mit denen zwei Apps Ihrer Wahl zusammen geöffnet werden. Sie können sogar auswählen, auf welcher Seite diese Apps standardmäßig geöffnet werden sollen. Schneller als man denkt wird das zur täglichen Morgenroutine, wie in meinem Fall Spiegel Online und WhatsApp.

Microsoft Surface Duo

Das Surface Duo gehört auch zu einer kleinen, aber wachsenden Anzahl von Android-Handys (die anderen sind neuere Samsung-Modelle), die sowohl die Verbindung zu Windows als auch die Spiegelung des Telefonbildschirms über die Windows Phone-App Your Phone unterstützen. Mit Ihrem Telefon auf dem Desktop können Sie von Ihrem PC aus auf Nachrichten antworten, Benachrichtigungen anzeigen, den Speicher und die Mediengalerie Ihres Geräts durchsuchen und sogar darin navigieren. Ein ziemlich smarter Schachzug von Microsoft, eine plattformübergreifende Integration zwischen Windows und Android zu ermöglichen. Obwohl die Bildschirmspiegelungsfunktion meiner Erfahrung nach verzögert reagiert und keine wirklich gute Auflösung zu bieten hat.

Microsoft hat auch eigene Android-Apps wie Outlook, OneDrive und OneNote speziell an den Formfaktor des Surface Duo angepasst. Wenn Sie Outlook auf beide Displays des Duos erweitern, wandert der Posteingang auf die linke Seite und die E-Mail-Detail-Ansicht auf die rechte Seite. Wenn Sie dann auf eine E-Mail antworten und das Gerät zur Seite drehen, übernimmt die Tastatur den unteren Teil und die Antwort-Mail den oberen. Das Ziehen und Ablegen von Text und Bildern funktioniert sogar über Bildschirme hinweg, vorausgesetzt, man verwendet ohnehin die Apps von Microsoft. In der Tat kann das Surface Duo sehr schick aussehen, wenn es will.

Was ist schlecht an der Software?

Aber darin liegt das Problem. Solange das Surface Duo auf vorhersehbare und hilfreiche Weise auf Ihre Aktionen reagiert, sehen Sie das Potenzial darin. Allzu oft reagiert das Surface Duo aber eher unvorhersehbar. Zum Beispiel hakt die Software bei jedem zweiten Versuch, auf den Startbildschirm zurückzukehren. Manchmal dauert es einige Zeit, bis Apps und Widgets angezeigt werden. Manchmal sind sie direkt da, reagieren aber bis zu fünf Sekunden nicht auf Tippen oder Wischen. Wenn Sie in einer App nach oben swypen, um auf den Homescreen zurückzukehren, oder die Tastatur aufrufen, wird die App häufig unbeabsichtigt verschoben und auf dem anderen Display neu positioniert. Sogar das Hintergrundbild auf meinem Testgerät verschwindet gelegentlich und wird durch einen schwarzen Hintergrund ersetzt. Sperren und Entsperren des Surface Duo funktioniert hier allerdings wie ein Soft-Reset und alles ist wieder an Ort und Stelle.

Die SwiftKey-Tastatur ist eine besondere Quelle der schlechten Laune. Sie ist mit Fug und Recht als instabil zu bezeichnen. Gelegentlich ändert sie ihre Größe, verschwindet häufig ohne Vorwarnung oder friert spontan ein. Das Surface Duo lässt sich auch mit den Displays nach außen zusammenklappen. In diesen Fällen ist die Benutzeroberfläche so konzipiert, dass der Benutzer zweimal auf die gegenüberliegende Anzeige tippen kann, wenn er das Gerät aus irgendeinem Grund umdrehen möchte. Leider funktioniert die Doppelklick-Aktion meiner Erfahrung nach aber selten wie beabsichtigt, da das Display, welches man nicht verwenden möchte, keine Handballenerkennenung („Palm Rejection“) mitbringt. Selbst wenn man das Surface Duo umdreht, wird das abgewandte Panel immer noch aktiv angezeigt und gibt die Kontrolle nicht an die andere Seite ab.

Microsoft Surface Duo

Auch Googles wichtigste Android-Apps, wie YouTube und Google Duo, sind von der Komplexität der Oberfläche regelmäßig überfordert. Wenn Sie das Gerät in den Querformatmodus schalten, während YouTube geöffnet ist, für ein Video jedoch nicht der Vollbildmodus aktiviert wurde, wird die enge 4:3-Ausrichtung der App im Querformat angezeigt. Mit anderen Worten, die App ändert ihre Größe nicht, um besser in den breiteren Ausschnitt zu passen. Sie dreht nur genau das gleiche Fenster um 90 Grad und verwendet somit nur etwa 50% der gesamten Fläche des Displays.

Die Liste der Bugs und allgemeinen Belästigungen, die man ertragen muss, geht weiter und weiter, ohne dass ich überhaupt schon bei dem angelangt wäre, was mich am meisten Nerven gekostet hat. Nach einigen Tagen mit dem Surface Duo bemerkte ich, dass sich das Telefon nicht mehr automatisch verriegelte und schlief ein, als ich es schloss. Obwohl dies von sich aus verwirrend war (es stellte sich heraus, dass ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen erforderlich war, um das Problem zu beheben), führte dies zu weitaus schwerwiegenderen Problemen auf der ganzen Linie.

So startete sich die Kamera des Surface von selbst während des Transports in einer Tasche. Entweder habe ich die Kamera-App versehentlich selbst geöffnet, indem ich zweimal auf die Ein-/Aus-Taste gekommen bin, oder sie hat es geschafft, sich selbst zu starten. Als ich das Gerät zwei Stunden später aus meinem Rucksack zog, war es heiß. Die Kamera war vermutlich zwei Stunden lang eingeschaltet und hatte den Akku von 60% auf 20% leergesaugt, während das Surface geschlossen in der Tasche lag. Das Handy war so heiß, dass man es kaum berühren konnte. Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor ein so heißes Smartphone in der Hand hatte.

Diese Art von Problemen ziehen den Gesamteindruck des Surface Duo nach unten und verwandeln es von einer wirklich innovativen und praktischen Designidee in eine unerbittliche Reihe unerwarteter Frustrationen. Immerhin hat Microsoft mittlerweile ein Firmware-Update veröffentlicht. Obwohl die Positionierung der Apps und die Änderung der Bildschirmausrichtung scheinbar etwas zuverlässiger geworden sind, wurden die meisten der anderen Bugs nicht gefixt. Es kann immer noch zu Seltsamkeiten kommen, beispielsweise wenn man das Gerät beim Ansehen eines YouTube-Videos zur Seite dreht. Natürlich sollten diese Störungen behoben werden können, und Microsoft hat auch den Wunsch geäußert, dem Surface Duo weitere grundlegende Funktionen hinzuzufügen. Beispielsweise lässt sich das Surface Duo durch zweimaliges Tippen nicht aufwecken – laut Microsoft soll die Funktion bald nachgeliefert werden. Ebenso gibt es keine Aktionstaste oder Verknüpfung zum Wechseln der Displays während der Verwendung der Kamera. Das ist wichtig, da das Surface Duo nur über ein Objektiv verfügt, das je nach Position des Telefons sowohl die Rolle der Hauptkamera als auch der Selfiekamera übernimmt. Vielmehr soll das Gerät in der Lage sein, anhand der Bewegungssensoren selbst zu entscheiden, wo der Sucher gerade hingehört.

CPU / Leistung

Als das Surface Duo Ende 2019 mit einem Snapdragon 855-Prozessor angekündigt wurde, gingen viele Leute verständlicherweise davon aus, dass Microsoft den Chipsatz des Geräts während der Entwicklung durch den damals noch zu veröffentlichenden Snapdragon 865 ersetzen würde. Die S865-CPU hätte dem Surface Duo auch ermöglicht, sich mit 5G-Mobilfunknetzen zu verbinden. Das ist aber niemals passiert. Damit tritt das Surface Duo mit über einem Jahr alten SoC und nur 6 GB RAM in den überfüllten Ring der 2020er Flaggschiff-Smartphones.

Nach dem heutigen Stand der Premium-Handys liegt Microsoft damit mittlerweile eher am unteren Ende der Skala. Das Note 20 Ultra läuft nicht nur mit dem viel schnelleren Exynos 990, sondern hat auch doppelt so viel RAM zu bieten. Und muss damit auch noch ein Display weniger rendern. Jetzt ist der alte 855-Chip nicht langsam, aber im Vergleich zu anderen Handys, die man für dieses Geld kaufen kann, auch nicht mehr wirklich ​​schnell oder konkurrenzfähig. Kombinieren man dieses Szenario mit den bereits besprochenen Software-Problemen, fühlt sich das Duo leider weder schnell noch modern an.

Lustigerweise ist das Spielen von Games aber durchaus angenehm, da die Adreno 640-GPU im 855 immer noch genug Reserven für ein flüssiges Spielerlebnis bietet. Selbst bei grafisch anspruchsvollen Titeln wie Asphalt 9 Legends konnte ich keine Probleme feststellen. In Bezug auf die Benchmarks ist der Multi-Core-Geekbench 5-Score des Surface Duo von 2.862 Punkten weit vom 3.294-Ergebnis des Note 20 Ultra sowie vom 3.500-Score des iPhone 11 Pro Max entfernt. In Bezug auf die Grafik-Leistung ergab ein Aztec Ruins-Test von GFXBench für Highend-Geräte insgesamt 1.073 Frames bei 17 Frames pro Sekunde. Auch hier zieht das Surface Duo im Vergleich zum Note 20 Ultra (1.455 Frames) und iPhone 11 Pro Max (1.657 Frames) deutlich den kürzeren.

Zudem bedeutet der Verzicht auf einen moderneren 5G-Chipsatz, dass das Surface Duo alles andere als zukunftssicher ist – egal, ob es sich um Netzwerke mit großer Reichweite wie Sub-6GHz 5G oder um die viel schnelleren Stadt-Netze mit kurzer Reichweite handelt. Im Moment ist das kein großer Verlust. 5G ist noch nicht weit verbreitet und funktioniert oft auch noch nicht gut genug, um den Kauf eines bestimmten Geräts allein mit dessen 5G-Unterstützung zu rechtfertigen. Wenn Sie jedoch überlegen, sich ein Surface Duo für 1.400 US-Dollar zuzulegen, möchten sie vielleicht ein paar Jahre an Laufleistung herausholen und währenddessen auf der sicheren Seite sein. 5G mag heute nicht viel ausmachen, aber das wird 2022 oder 2023 wahrscheinlich schon ganz anders aussehen.

Kamera

Wenn Sie das Äußere des Surface Duo nach einer aufwändigen Ansammlung von Objektiven durchsuchen, die eines 1.400 Dollar-Handy würdig wären, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Microsoft in Sachen Kameras einen sehr zurückhaltenden Ansatz gewählt hat. Eine einsame 11 Megapixel-Linse mit Blende 1:2,0 findet man. Und diese Kamera kommt zum Einsatz, unabhängig davon, ob man eine Landschaft, Menschen oder ein spontanes Selfie aufnehmen möchte. Damit wird das Surface Duo offensichtlich nicht zum Foto-Handy des Jahres gekürt werden, egal, wie gut dieses eine Objektiv sich schlägt.

Trotzdem macht es seinen Job im Surface Duo gelegentlich besser als man erwarten würde. Es braucht zwar mitunter diverse Anläufe für ein richtig fokussiertes Foto, die Details und die Natürlichkeit der verschiedenen Farbtöne sind die Mühe aber wert. Gelingt einem ein gutes Foto, ist es oftmals visuell ansprechender und realistischer ist als die übersättigte Farben, die man gerne bei Samsung und Huawei sieht. Vom Digital-Zoom hingegen sollte man am besten die Finger lassen. Je weiter man einen Ausschnitt vergrößert, desto körniger werden die Bilder.

Der Porträtmodus hat ebenfalls seine Tücken: Offenbar arbeitet er nur konsistent, wenn das Surface Duo Gesichter erkannt hat. Dramatische Bokeh-Aufnahmen von beliebigen Objekten geraten somit zum absoluten Glückstreffer. Selbst derart erwartungslos setzten Selfie-Versuche noch einen drauf. Das Duo scheint kühle, trostlose Farben zu bevorzugen, verglichen mit der Wärme des iPhones und der Vorliebe von Samsung für satte Farbtöne. Von Unschärfe in Haaren hält das Surface ebenfalls eine ganze Menge. Bei Landschafts-Aufnahmen wird es leider auch nicht besser. Die Bildbearbeitungshardware und -software von Microsoft schaffte es regelmäßig nicht, Fotos Lebendigkeit oder Schärfe einzuhauchen. Und obwohl man argumentieren könnte, dass dies nicht wirklich die Kernkompetenz des Surface Duo sein muss, blickt man zweifelnd auf das Galaxy Note 20 Ultra, welches großartige Fotos schießt und deutlich günstiger ist.

Allein Samsungs Software lässt das Duo schon weit hinter sich – das Note 20 kombiniert in Szenen mit schwierigen Lichtverhältnissen Glanzlichter mühelos mit tiefen Schatten und holt dazu beeindruckende Schärfe, Klarheit und Farbe aus den Motiven. Das Surface Duo verfügt weder über ein optisches Zoomobjektiv noch erfasst es genügend Megapixel, um verlustfreien Digital-Zoom zu simulieren. Microsoft kann beim Surface auch keine softwarebasierte Lösung wie den Super Res Zoom von Google anbieten. Daher ist es bei weiter entfernten Motiven im Prinzip generell raus.

Der Digitalzoom des Note 20 kann bis zu 30-fach vergrößern. Das ergibt zwar keine tollen Bilder mehr, das Surface Duo schafft aber nicht mal 10-fach – ein genauer Wert wird in der Kamera-App von Microsoft nicht angegeben. Oder die Entwickler wollten eine höhere Zoom-Stufe nicht mehr freischalten, da die Ergebnisse komplett unbrauchbar wären. Selbst 10x beim Note 20 sieht besser als 8x beim Surface Duo. Allein dank der höheren Megapixelzahl und der intelligenteren Zoomalgorithmen des Galaxy ist Samsung hier uneinholbar vorn.

Auch bei schlechten Lichtverhältnissen gibt es Grund zur Kritik. Die direkt bei der Tatsache anfängt, dass kein Nachtmodus an Bord ist, wie man ihn heutzutage bei unzähligen anderen Flaggschiff-Handys findet. Das Note 20 liefert bei wenig Licht großartige Bilder. Das Duo … nicht. Unabhängig davon, wie mittelmäßig oder enttäuschend die fotografischen Fähigkeiten des Surface Duo sind, ist die Benutzererfahrung mit der Kamera-App noch frustrierender. Wie bereits erwähnt, kann das Surface Duo schrecklich sein, wenn es erraten soll, auf welchem ​​Display der Sucher sich gerade befinden sollte. Der einzige Weg, dies zu ändern, besteht darin, das Telefon umzudrehen Das führt aber nicht immer zur gewünschten Reaktion. Bis die Kamera in die richtige Richtung zeigt und man das auch auf dem passenden Display sieht, hat man im schlechtesten Fall schon den Moment verpasst.

Akkulaufzeit

Zwei große Displays müssen beim Surface Duo mit einem 3.577 mAh-Akku auskommen. Das ist nicht wirklich viel Saft im Vergleich zu den 4.500 mAh des Galaxy Note 20 Ultra, wo viel weniger Bildschirm beleutet werden muss. Selbst das iPhone 11 Pro Max verfügt mit knapp unter 4.000 mAh über eine größere Kapazität. Daher haben wir nicht erwartet, dass das Surface Duo lange durchhalten würde. Und wurden nicht enttäuscht: Mit einem aktiven Display war nach 9 Stunden und 27 Minuten durchgehender Nutzung Feierabend. Im Dual-Display-Modus waren es 7 Stunden und 7 Minuten. Das Galaxy Note 20 Ultra hielt 10:26h im 60 Hz-Modus und 7:59h im 120 Hz-Modus durch. Das iPhone 11 Pro Max schnappt sich die Krone – 11:54h.

Das Surface Duo lädt mit maximal 18 Watt über das mitgelieferte USB-Ladegerät. Und da der Akku sowieso keine Kapazitätsrekorde aufstellt, ist er nach 30 Minuten schon wieder bei 49%. Aber auch da kann das Galaxy Note 20 Ultra nur müde lächeln: Nach 30 Minuten stand der Akku mit dem mitgelieferten 25 Watt-Ladegerät bei 64%.

Alternativen

Um den Listenpreis des Surface Duo von 1.400 US-Dollar in einen Kontext zu setzen – das bereits ziemlich teure Samsung Galaxy Note 20 Ultra kam mit einer UVP von 1.299 Euro auf den Markt. Unter den faltbaren Handys ist das Galaxy Z Flip 5G mit 1.549 Euro teurer, obwohl es nicht ganz das Anwendungsszenario des Surface Duo trifft. Am besten passt der Vergleich zum Galaxy Z Fold2 5G, das bei geöffneten Displays auch eine ähnliche Fläche einnimmt. Dafür ruft Samsung zwar astronomische 1.949 Euro auf. Dafür funktioniert das Fold2 aber tadellos.

Test-Fazit Microsoft Surface Duo

Design / Ergonomie - 9
Display - 9
CPU / Leistung - 6
Akku - 6
Kamera: Fotos - 5.5
Kamera: Videos - 5.5

6.8

Testurteil

Das Microsoft Surface Duo fühlte sich im Test innovativ an, wie kaum ein anderes Smartphone. Unzählige Software-Inkonsistenzen, veraltete Hardware und eine unterdurchschnittliche Kamera zerstören aber schnell den tollen ersten Eindruck. Und das Ganze zu einem sehr hohen Preis.

Pro

  • wunderschönes, praktisches Dual-Screen-Design
  • intuitive Gesten
  • viel Potential beim Arbeiten mit zwei Apps

Kontra

  • nervige Softwareprobleme
  • schlechte Kamera
  • mittelmäßige Leistung
  • sehr teuer
  • kein 5G

In den wenigen Tagen, die ich mit dem Surface Duo hatte, ist es mir trotz seiner großzügig verteilten Unzulänglichkeiten ein wenig ans Herz gewachsen. Ich würde es gern guten Gewissens loben, empfehlen und jeden Tag benutzen, aber das würde schon nach kurzer Zeit zu einem Nervenzusammenbruch und vielen kleinen Surface Duo-Einzelteilen führen.

Das Surface Duo ist weder ein großes Smartphone noch ein kleines Tablet. Es kann aber, zumindest in der Theorie, beide Rollen ausfüllen. Was den Preis von 1.400 US-Dollar ein Stück weit entschuldigt. Was jedoch nicht entschuldbar ist, sind die unzähligen Pannen und die enttäuschenden Kompromisse. Es gibt immer wieder Situationen, wo man nicht ganz sicher ist, wie das Surface Duo auf Aktionen reagieren wird oder warum es so reagiert. Es kann bei den simpelsten Befehlen einfrieren. Oder die Tastatur verschwindet, während man eine E-Mail tippt.

Welche Probleme auch immer durch das Dual-Screen-Design beseitigt werden, die Softwareprobleme und die allgemeine mangelnde Reaktionsfähigkeit sorgen dafür, dass man schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen steht. Und auf diesem Boden finden sich weder eine ordentliche Kamera noch ein schneller Prozessor, ausreichend RAM, 5G, kabelloses Laden, NFC oder ein ausdauernder Akku. Dual-Screen-Geräte bergen bei richtiger Umsetzung enormes Potenzial, und Microsoft ist der Realisierung näher gekommen als jeder andere zuvor. Im aktuellen Zustand kann man das Surface Duo aber leider nicht empfehlen.

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