Android-Tests

Vivo Y20s-Test: Nicht zu viel Schatten

Vivo ist relativ neu auf dem europäischen Markt, gehört aber dank des großen Marktanteils im Heimatland China und der Konzernmutter BBK im Rücken zu den größten Smartphone-Herstellern der Welt. Technologisch ist Vivo ganz vorn mit dabei und hat neben dem bisher einzigen Gimbal-Handy, dem Vivo X51 5G, auch bereits eine Kamera-under-Display-Lösung und ein Foldable Smartphone in der Entwicklung.

Bei soviel Hightech werden enorme Mengen an Geld für Forschung und Entwicklung benötigt. Und die werden verdient mit den Brot und Butter-Handys: Günstige Geräte mit hohen Stückzahlen, die auch in Märkten mit geringer Kaufkraft gut laufen. Genauso so ein Gerät ist das Vivo Y20s, welches wir heute testen.

Unboxing

Das Vivo Y20s kommt in einem typischen kleinen Pappkarton, der wenig größer als das Handy selbst ist. Ein 18 Watt-Ladegerät, das dazu passende Micro-USB-Kabel und ein In-Ear-Headset mit 3,5 mm-Anschluss sind enthalten. Eine transparente Silikonhülle fehlt im Gegensatz zum X51 5G und zum Y70, was ein wenig ärgerlich ist. Eine dünne Schutzfolie ist bereits auf dem Display installiert.

Design / Ergonomie

Das Vivo Y20s kommt im Kunststoff-Kleid daher, fühlt sich aber nicht billig an. Das Gewicht liegt bei 192,3 g, die Abmessungen bei 164,4 x 76,3 x 8,4 mm. Am rechten Rand, unterhalb der Lautstärkewippe, befindet sich der Fingerabdruckscanner, der in den Netzschalter eingebettet ist. Demensprechend leicht ist er zu erreichen. Die Erkennung funktionierte während unseres Tests schnell und zuverlässig.

An der Unterseite gibt es den ersten Hinweis auf den günstigen Preis. Das Y20s wird über einen mittlerweile fast schon veralteten Micro-USB-Anschluss verbunden. Viele direkte Konkurrenten bieten in dieser Klasse bereits den neueren USB-C-Standard. Neben langsameren Datenraten muss man somit auch mit längeren Ladezeiten leben. Neben dem Anschluss ist eine 3,5 mm-Kopfhörerbuchse verbaut.

Vivo Y20s

An der Oberseite findet sich der zweite Hinweis auf die Preisklasse – die Frontkamera in einer Waterdrop-Kerbe. Diese gehört genauso wie die dicke Display-Einfassung an der Unterseite zu den typischen Merkmalen von günstigen Smartphones. Dank der Einfassung liegt auch das Screen-to-body-Verhältnis bei niedrigen 81,6%. Der Rahmen besteht genauso wie die Rückseite aus Plastik. Letztere hat ein Farbverlaufsmuster, das das Material ein wenig hochwertiger aussehen lässt.

Display

Das Vivo Y20s verfügt über ein 6,51 Zoll großes IPS-LCD-Display mit einer HD-Auflösung von 720 x 1600 Pixeln, das 16 Millionen Farben darstellen kann. Das Seitenverhältnis liegt bei 20:9, die Pixeldichte bei 270 ppi. Zum Einen liegt man damit knapp unterhalb von FullHD, was viele Spiele und Streaming-Dienste ausgeben. Zum Anderen lässt die Farbgenauigkeit und die Lebendigkeit der Farben etwas zu wünschen übrig. Dafür sind LCD-Panels im Sonnenlicht einfacher zu bedienen ist als ein billiger OLED-Bildschirm. In dieser Preisklasse gehört LCD daher eher zum Standard.

Dementsprechend stellt die Bildqualität des Vivo Y20s keine Rekorde auf. Wer sein Handy für die täglichen Dinge des Lebens verwendet, wird wahrscheinlich zufrieden gestellt. Wer öfter Handyspiele zockt oder regelmäßig Videos schaut, könnte sich früher oder später eine bessere Bildqualität wünschen. Das Display tut zuverlässig, was es soll. Mehr aber nicht.

Software

Das Vivo Y20s kam mit Android 10 in der Redaktion an. Darüber legen die Chinesen die hauseigene Oberfläche Funtouch OS 11. Kurz nach dem ersten Einrichten poppte bereits die Update-Benachrichtigung für Android 11 auf, was bereits seit Ende November ausgerollt wird. Funtouch OS 11 weist große Ähnlichkeiten zu Stock-Android auf. Für viele Aufgaben setzt Vivo zudem Google-eigene Apps ein. Dazu gehört das Anzeigen von Fotos oder die SMS-App.

Darüber hinaus sind nicht viele vorinstallierte Apps an Bord, was wir gut finden. Zum Einen fühlt sich Funtouch dadurch ziemlich aufgeräumt an, zum Anderen wird die Arbeitsgeschwindigkeit nicht negativ beeinflusst.

CPU / Leistung

Denn in diesem Bereich gibt es nicht allzu viele Reserven: Das Vivo Y20s verwendet den Snapdragon 460-Chipsatz, gepaart mit 4 GB RAM und 128 GB Speicher. Der Prozessor bewegt sich selbst für ein Budget-Handy eher am unteren Ende der Skala. Die Dinge des täglichen Lebens erledigt er zuverlässig. Sobald aber mehr Leistung abgerufen wird, bei Spielen oder aufwändigeren Apps, nimmt sich das System gern mal eine Gedenksekunde.

Wie üblich haben wir auch das Y20s einem Geekbench 5-Benchmark-Test unterzogen. Herausgekommen ist ein Single-Core-Score von 256 und ein Multi-Core-Score von 1.298 Punkte. Beide Werte gehören zu den niedrigsten, die wir je gesehen haben. High-End-Spiele wie Call of Duty: Mobile oder PUBG Mobile fallen damit komplett aus. Auf der Low-End-Seite kann man mit Candy Crush oder Angry Birds mehr Glück haben. Wem das reicht, der wird trotzdem flüssig zocken können.

Akku

Wie oftmals in günstigen Handys findet sich auch im Y20s ein ziemlich großer 5.000 mAh-Lithium-Polymer-Akku. In Kombination mit der übersichtlichen Prozessorleistung ergibt sich eine beeindruckende Akkulaufzeit. Bei Standardnutzung kommt man locker über den Tag, bei mäßigem Gebrauch schafften wir regelmäßig zwei Tage. Selbst wenn das Vivo richtig gefordert wurde, gab der Akku niemals schon nach einem Tag auf.

Da ist es dann auch nicht so schlimm, dass das Aufladen wenig Freude bereitet. Maximal 18 Watt quälen sich durch den Micro-USB-Anschluss. Mal schnell 50% in einer halben Stunde nachfüllen kann man damit vergessen. Nach 30 Minuten standen 30% an, nach 90 Minuten zeigte das Vivo 90% Akku. Für eine volle Ladung vergingen gut zwei Stunden. Nach ein paar Tagen mit dem Y20s plant man daher Ladezeiten entsprechend ein und hängt es im Zweifel über Nacht vorsichtshalber schon mal ans Netz.

Lautsprecher

Das Y20s verfügt wie der große Bruder Y70 nur über einen einzelnen Mono-Lautsprecher am unteren Rand des Handys. Dementsprechend ist der Klang ähnlich bescheiden und quält sich mit mäßiger Lautstärke durch den mittleren Frequenzbereich. Für Musik oder Videos sollte man besser zum mitgelieferten Headset greifen oder die 3,5-mm-Kopfhörerbuchse anderweitig nutzen.

Kamera: Fotos

Die Vivo Y20s verfügt über drei Kameras auf der Rückseite: Eine 13 Megapixel-Hauptkamera mit einer Blende von 1:2,2, ein 2 Megapixel 1:2,4-Makro und ein 2 Megapixel 1:2,4-Tiefensensor. Die Frontkamera löst durch eine Blende von 1:1,8 8 Megapixel auf. Allerdings kommt wie schon bei diversen Handys zuvor auch beim Y20s schnell der Eindruck auf, dass die 2MP-Zusatzsensoren wenig Mehrwert bringen.

Fotos bei Tageslicht oder in gut ausgeleuchteten Szenen sahen gut, aber nicht spektakulär aus. Die Farben wirkten etwas verwaschen. Insgesamt waren die Bilder aber hell genug. Zoomen kann das Y20s auch. Da aber kein dediziertes Zoomobjektiv mit optischer Vergrößerung an Bord ist, handelt es sich beim 2x-Zoom um rein digitale Vergrößerung. Daher kann man diese Einstellung nicht wirklich empfehlen. Hat man die Möglichkeit, sollte man lieber seine Position ändern und sich näher an das Motiv bewegen.

Bei schlechten Lichtverhältnissen geht es mit der Bildqualität schnell bergab. Die Fotos werden körnig oder verrauscht oder beides. Die Bildqualität ist zwar nicht gut, in dieser Preisklasse aber auch nichts ungewöhnliches.

Selfies dagegen konnten mit passabler Farbgenauigkeit und vielen Details ein paar Punkte machen. Dabei lohnt es sich zu erwähnen, dass wir den Porträtmodus nicht empfehlen können. Im Porträtmodus soll durch digitale Unschärfe im Hintergrund der Vordergrund besser zur Geltung kommen. Leider wusste das Vivo aber regelmäßig nicht so genau, wo die Grenze verläuft.

Kamera: Videos

Video begrenzt das Y20s bei 1080p und 30 fps. Da keine optische Stabilisierung verbaut ist, muss man sich auf seine ruhige Hand verlassen. Ist nur ein bisschen Wind im Spiel, kann das schon schwierig werden, wie man im Beispiel-Video oben sieht. Die Bildqualität geht in Ordnung, was auch für das Zeitlupen-Video im zweiten Teil gilt. Auch bei Videos gilt aber: Sobald die Lichtverhältnisse schwierig werden, leidet die Bildqualität deutlich.

Alternativen

Der Markt für günstige Handys ist, wie eingangs schon erwähnt, riesig. Dementsprechend starker Konkurrenz muss sich das Vivo Y20s stellen. Da wäre zunächst das Xiaomi Redmi Note 10 zu nennen. Für einen ähnlichen Preis bekommt man hier eine 48 Megapixel-Hauptkamera und zusätzlich ein Ultra-Wide-Objektiv. Der Akku fasst ebenfalls 5.000 mAh. Auch das Xiaomi Poco X3 NFC spielt in der selben preislichen Liga. Der Akku ist leicht größer als beim Vivo, das Display ebenfalls auf LCD-Basis. Es aktualisiert aber mit starken 120 Hz. Das kann in dieser Klasse sonst keiner bieten. Für ein paar Euro mehr gibt es das Samsung Galaxy A51. Und damit deutlich bessere Technik in Form eines Hauptobjektivs mit optischer Bildstabilisierung und eines AMOLED-Display. Der Akku ist mit 4.000 mAh aber kleiner.

Test-Fazit Vivo Y20s

Design / Ergonomie - 6
Display - 4.5
CPU / Leistung - 4
Akku - 8
Kamera: Fotos - 4.5
Kamera: Videos - 4

5.2

Testurteil

Das Vivo Y20s ist ein zuverlässiges Handy, welches einen im Alltag nicht im Stich lässt. Mehr aber leider auch nicht.

Pro

  • guter Fingerabdrucksensor
  • tolle Akkulaufzeit
  • niedriger Preis

Kontra

  • langsames Arbeitstempo
  • mäßige Kamera
  • nur Micro-USB-Anschluss

Das Vivo Y20s ist ein zuverlässiges Handy, welches einen im Alltag nicht im Stich lässt. Der Fingerabdrucksensor fühlt sich gut an und ist genauso gut verarbeitet wie das ganze Telefon. Leider hört es da aber auch schon wieder auf mit den guten Nachrichten. Das Arbeitstempo reicht zwar für die alltäglichen Aufgaben, mehr aber auch nicht. Sobald etwas mehr CPU-Leistung angefordert wird, sollte man sich auf Wartezeiten einstellen. Die Kameras reichen für Schnappschüsse. Ausdrucken und an die Wand hängen möchte man die Fotos aber eher nicht. Und für den Preis des Y20s gibt es bessere Alternativen.

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