Android-Tests

Vivo Y70-Test: Gutes Display, durchschnittliche Kamera

In den letzten Jahren haben viele chinesische Smartphone-Hersteller mit Erfolg den Sprung auf die Weltmärkte geschafft. Nachdem Huawei und OnePlus sich schon länger etabliert hatten, machte seit 2018 auch Xiaomi immer mehr von sich reden. Ein Jahr später betraten Oppo und Realme die globale Bühne. Oppo, OnePlus und Realme gehören zum BBK-Konzern. Doch es gibt noch eine weitere Marke des Konzerns: Vivo. Und die bauen unter anderem mit dem X51 5G und dem Y70, welches wir heute testen, ebenfalls spannende Handys.

Das in Guangdong ansässige Unternehmen ist erst im in der zweiten Jahreshälfte 2020 offiziell in Europa gestartet. Das Y70 siedelt Vivo mit einem günstigen Preis in der Mittelklasse an. Genau dort sind die Absatzzahlen genauso groß wie die Konkurrenz. Kann sich das Y70 von der Masse abheben?

Unboxing


Das Vivo Y70 kommt in einem typischen kleinen Pappkarton, der wenig größer als das Handy selbst ist. Ein 33 Watt-Ladegerät mit Vivos FlashCharge-Technologie, das dazu passende USB-C-Kabel, ein In-Ear-Headset mit 3,5 mm-Anschluss und eine transparente Silikonhülle sind enthalten. Eine dünne Schutzfolie ist bereits auf dem Display installiert.

Design / Ergonomie

Das Vivo Y70 fällt in erster Linie wegen seiner Unauffälligkeit auf. Die mittlere Größe, die glänzende Rückseite, das flache Display und das rechteckige Kameramodul unterscheiden sich kaum von der direkten Konkurrenz. Die gebogene Kunststoffrückseite liegt gut in der Hand, obwohl der reflektierende zweifarbige Kunststoff ein absoluter Magnet für Staub und Fingerabdrücke ist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Smartphone billig anmuten wurde, denn die Verarbeitung ist sehr gut.

Mit einem Gewicht von 171 g und einer Dicke von 7,8 mm haben wir den nächsten Treffer in der Kategorie „unauffällig“. Das Display-to-Body-Verhältnis liegt bei 90,12%. Unter dem Display findet sich ein deutlich sichtbarer schwarzer Rand. Noch weiter unten ist der 3,5 mm-Kopfhöreranschluss direkt neben dem USB-C-Anschluss verbaut. Oben sieht man auf eine Frontkamera in einer Teardrop-Kerbe, was viele Hersteller leider immer noch in ihre günstigen Modelle einbauen.

Vivo Y70

Vivo hat trotz des günstigen Preises an einem Fingerabdrucksensor unter dem Display festgehalten, statt ihn gegen eine Variante im Power-Button oder auf der Rückseite zu tauschen. Auf der einen Seite bekommt man damit Premium-Technik, auf der anderen Seite hätte man das Geld auch gut in andere Komponenten investieren können. Doch dazu später mehr.

Display

Das 6,44 Zoll große Display löst FHD+ auf und basiert auf der AMOLED-Technik. Auch beim Bildschirm setzt Vivo damit beim Y70 auf hochwertige Bauteile, die normalerweise teureren Handys vorbehalten sind. Mit einem Kontrastverhältnis von 2.000.000:1 bekommt man Kontraststufen, von denen LCD-Konkurrenten nur träumen können. Rottöne können etwas knallig aussehen, wie es bei OLED häufig der Fall ist. Man kann die Farben aber in drei Voreinstellungen und anhand der Farbtemperatur seinen Vorlieben anpassen.

Irgendwann setzte dann aber doch der Rotstift an, in diesem Fall bei der Aktualisierungsrate. Im Gegensatz zum OnePlus Nord N10 und dem Realme 7, die beide Bildwiederholraten von 90 Hz bieten, bleibt das Vivo Y70 bei 60 Hz hängen. Das ist buchstäblich die Hälfte der Bildwiederholfrequenz des 120 Hz schnellen Poco X3. In diesem Preissegment ist das aber zu verschmerzen, zumal häufig sowieso nicht genügend Rechenleistung vorhanden wäre, um beispielsweise Games mit höherer Bildrate gerecht zu werden.

Müsste man zwischen AMOLED oder einer höheren Bildwiederholfrequenz wählen, fiele unsere Entscheidung immer auf AMOLED. Die kräftigeren Farben und das tiefe Schwarz hat man immer vor Augen, während eine schnellere Aktualisierungsrate nur in bestimmten Situationen von Vorteil ist.

CPU / Leistung

Beim Vivo Y70 kommt ein Snapdragon 665-Chipsatz der Mittelklasse zum Einsatz. Die selbe CPU findet man auch in diversen Motorola Moto G-Handys, dem Sony Xperia 10 II oder dem Xiaomi Redmi Note 8. Mit einem Geekbench 5-Multi-Core Score von 1.397 zieht die etwas teurere Konkurrenz in Form des OnePlus Nord N10 mit seinem neueren Snapdragon 690 und 1.847 Punkten davon. Auch im leicht günstigeren Segment haben das Xiaomi Poco X3 NFC (Snapdragon 732G, 1.699 Punkte) und das Realme 7 (MediaTek Helio G95, 1.625 Punkte) die Nase vorn.

PUBG Mobile haben wir nicht in HD-Grafik zum Laufen bekommen. Hier musste man auf Smooth oder Balanced, die beiden niedrigsten Optionen, ausweichen. Das 2D-Actionspiel Juicy Realm lief mit höheren Einstellungen für Bildrate und Auflösung, aber die Aktivierung von Post-Processing quittierte das Y70 mit einer Warnung zur Bildrate.

Trotzdem bietet der bewährte Snapdragon 665 solide Performance in den meisten Lebenslagen, was auch den 8 GB RAM zu verdanken ist. Auch der 128 GB große interne Speicher sollte genug Reserven für Apps und Fotos bieten. Außerdem ist noch ein microSD-Steckplatz vorhanden.

Akku

Der Akku des Vivo Y70 kommt auf eine Kapazität von 4.100 mAh. Gerade im günstigen Segment, wo die Kamerahardware normalerweise nicht so viel Platz einnimmt und die Konkurrenz teilweise bis auf 6.000 mAh aufgerüstet hat, stellt man damit keine Rekorde mehr auf. Trotzdem kommt man damit bei normaler Nutzung problemlos durch den Tag, was unser Websurfing-Test über WLAN mit 13:27h bestätigte. Außerdem gibt es da noch Vivos Flash-Charge-Technologie zu beachten. Das Y70 lädt genau wie das deutlich teurere X51 5G mit 33 Watt. Laut Vivo erreicht man damit nach 30 Minuten 65%, was wir in unseren Tests bestätigen konnten.

Lautsprecher

Das Y70 verfügt nur über einen einzelnen Mono-Lautsprecher am unteren Rand des Handys. Dementsprechend bescheiden ist der Klang, der sich mit mäßiger Lautstärke durch den mittleren Frequenzbereich quält. Für Musik oder Videos sollte man besser zum mitgelieferten Headset greifen.

Kamera: Fotos

Das Vivo Y70 verfügt über ein Dreifachkamerasystem mit einem 48 Megapixel-Hauptsensor, der mit einer Blende von 1:1,8 arbeitet. Die beiden anderen Objektive sollen mit jeweils 2 Megapixeln für Makros und Tiefendaten sorgen, waren in der Praxis aber nicht besonders hilfreich.

Ein Ultra-Weitwinkel ist nicht an Bord, genauso wenig wie ein Tele-Objektiv. Letzteres würde man in dieser Preisklasse aber auch nicht erwarten. Wählt man den 2X-Digitalzoom, muss man sich daher mit zugeschnittenen Bildern begnügen. Immerhin hat der Hauptsensor genug Megapixel in Reserve. Oben haben wir ein paar Aufnahmen zum Vergleich zusammengestellt.

In gut ausgeleuchteten Umgebungen macht der Hauptsensor in der Regel ordentliche Aufnahmen. Die Farben wirkten aber immer ein bisschen künstlich aufgepeppt. Daher wechselten wir für unsere Bilder in den Pro-Modus, der mit den vollen 48 Megapixeln arbeitet. Im Ergebnis kamen Fotos mit kräftigen, natürlich aussehenden Farben und vielen Details zum Vorschein.

Die KI-Motiverkennung kann helfen, muss aber nicht. In einigen Momenten kamen damit schöne Aufnahmen zustande, wenn das Motiv richtig erkannt wurde. Das dauerte aber regelmäßig und funktionierte oft erst bei der zweiten Aufnahme. Möglicherweise liegt das an den begrenzten Kapazitäten des Snapdragon 665.

Bei wenig Licht allerdings war weder mit der vollen Auflösung noch mit der KI viel zu retten. Wenig Details sowohl in hellen als auch in dunklen Bereichen kombiniert das Y70 hier mit deutlich sichtbarem Rauschen. Auch der Nachtmodus war an die Grenzen der verbauten Hardware gebunden. Er behielt die angesprochenen Probleme bei und hellte die Bilder einfach ein bisschen auf.

Kamera: Videos

Videos dreht das Y70 in 4K mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde. Da aber keine optische oder digitale Bildstabilisierung zur Verfügung steht, sind die Videos von deutlichem Ruckeln begleitet. Für das ein oder andere Schnappschuss-Video geht die Qualität in Ordnung, für ernsthaftes Filmen sollte man sich nach einer Alternative umsehen.

Alternativen

Mit einer UVP von 299 Euro muss sich das Vivo Y70 starker Konkurrenz stellen. Das Xiaomi Mi 11 Lite kommt auf den selben Preis, ist aber gerade erst herausgekommen und bringt neueste Technik mit. Dazu gehört eine 108 Megapixel-Hauptkamera, ein Ultrawide-Objektiv und ein 90 Hz-Display mit sehr guter Bildqualität. Für 50 Euro weniger gibt es das Xiaomi Poco X3 Pro. Ein schneller Snapdragon 860-Prozessor und ein 120 Hz-LCD-Display machen das Poco vor allem für preisbewusste Gamer interessant. Genauso wie der 5.160 mAh-starke Akku.

Noch mehr Leistung gibt es für 50 Euro mehr im brandneuen Poco F3. Hier werkelt der Snapdragon 870, einer der aktuell schnellsten Prozessoren auf dem Markt. Das Display aktualisiert ebenfalls mit 120 Hz, setzt aber auf die hochwertigere AMOLED-Technologie. Die Dreifach-Kamera ist nicht so hochwertig wie der Chipsatz, dem Y70 aber deutlich überlegen. Außerdem ist 5G an Bord.

Test-Fazit Vivo Y70

Design / Ergonomie - 6
Display - 8
CPU / Leistung - 5.5
Akku - 8
Kamera: Fotos - 6.5
Kamera: Videos - 5.5

6.6

Testurteil

Im Test punktete das Vivo Y70 mit einem tollen Display und der hohen Ladegeschwindigkeit. Weniger gut gefielen die Kameras und der Chipsatz.

Pro

  • sehr gutes AMOLED-Display
  • Funtouch OS
  • 33 Watt schnelles Laden

Kontra

  • mittelmäßige Performance
  • mittelmäßige Kamera ohne Ultrawide
  • kein 5G
  • biederes Design

Das Vivo Y70 hat im Test mit seinem großen, lebendigen AMOLED-Display und schnellen Ladevorgängen einige Punkte sammeln können. Auch ohne hohe Bildwiederholfrequenz fühlte sich der Bildschirm jederzeit flüssig und angenehm abzulesen an. Funtouch OS führte zusätzlich dazu, dass man das Y70 gern in die Hand genommen und im Alltag jederzeit flüssig und intuitiv bedient hat. Auch die Ladezeit mit 65% Kapazität in 30 Minuten würde man eher in einem Flaggschiff-Smartphone erwarten.

Auf der anderen Seite sind da das wenig inspirierte Design, die Kameras und die Performance. Der Kamera mangelt es an Flexibilität und Konsistenz. Nur mit dem Hauptsensor im Pro-Modus bei viel Licht gute Bilder hinzubekommen, reicht in Anbetracht der Preises nicht aus. Auch der Snapdragon 665 erledigte seine Aufgaben eher mühsam. Im Alltag kommt man gut zurecht, die Konkurrenz bietet in diesem Preissegment aber deutlich mehr.

Unterm Strich zeigte das Vivo Y70 im Test eine solide Leistung. In Anbetracht des Preis-Leistungs-Verhältnisses kann man aber keine Kaufempfehlung aussprechen.

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