Android-Tests

Xiaomi Mi 10T Pro 5G-Test: Ein guter Deal?

Das neue Xiaomi Mi 10T Pro, das Gegenstand dieses Tests ist, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinem Vorgänger. Zum Beispiel war der Vorgänger Mi 9T Pro nur ein umbenanntes Redmi K20 Pro. Das tat dem Erfolg keinen Abbruch. Aber der Nachfolger, das Mi 10T Pro, ist ein brandneues Gerät, das seinen Geschwistern kaum oder gar nicht ähnelt.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass das Mi 10T Pro für seinen Preis einiges auftischt. Es mag einem auf den ersten Blick nicht als der „Flaggschiff-Killer“ erscheinen, wie das Mi 9T Pro letztes Jahr. Dennoch bietet es alles, was Sie von einem 2020-Flaggschiff erwarten: Snapdragon 865 SoC, 108 Megapixel-Hauptkamera mit Makrounterstützung und Ultrawide-Objektiv sind an Bord. Ein richtiges Teleobjektiv fehlt. Man könnte jedoch argumentieren, dass das Zuschneiden von 108 Megapixel-Bildern wahrscheinlich bessere Ergebnisse erzielen würde als eine billige 2x-Zoomkamera. Es gibt auch einen signifikanten Anstieg der Batteriekapazität gegenüber der letzten Generation auf 5.000 mAh und ein Display mit hoher 144 Hz-Bildwiederholfrequenz.

Gegenüber dem Mi 9T Pro ist der Preis etwas gestiegen. Es sind aber auch so einige neue Features an Bord, zum Beispiel schnelleres Laden mit 33 Watt inklusive Unterstützung für Power Delivery 3.0, Stereolautsprecher und ein schneller UFS 3.1-Speicher. Letzterer liegt in der Basisversion jetzt bei 128 GB anstelle von 64 GB im Mi 9T Pro. Auf der anderen Seite fehlen auch einige Funktionen, wie die 3,5 mm-Audiobuchse und der Fingerabdrucksensor unter dem Display.

Xiaomi Mi 10T Pro-Unboxing

Das Xiaomi Mi 10T Pro wird in einem großzügigen Paket geliefert, das nicht nur das 33 Watt-kompatible Ladegerät und das entsprechende USB-A-zu-USB-C-Kabel enthält, sondern auch eine mattes Silikoncase und einen USB-C- auf 3,5 mm-Dongle. Interessant ist hier, dass das mitgelieferte Gehäuse dank seiner Silberionen antibakterielle Eigenschaften aufweist. Das soll 99% der Bakterien dahinraffen, bescheinigt vom TÜV SÜD PSB Products Testing (Shanghai).

Design und Ergonomie

Das Gehäuse des Mi 10T Pro präsentiert sich in höchster Qualität. Sicher, es ist nur mit Gorilla Glass 5 auf der Vorder- und Rückseite anstelle von Gorilla Glass 6 ausgestattet, aber irgendwo kommt der günstige Preis halt her. Die Glasscheiben werden von einem Aluminiumrahmen zusammengehalten. Unser Testgerät ist in Cosmic Black gehalten, was eher wie eine Art Rotgrau aussieht. Es erinnert an die Piano Black-Lackierung des letztjährigen Mi 9. Es gibt keine speziellen Farbverläufe, aber die Oberfläche reflektiert spiegelbildlich und Fingerabdrücke sind gut sichtbar.

Das Kameramodul dominiert die Rückseite. Es ragt deutlich hervor und das aktuelle Design lässt den 108 Megapixel-Hauptsensor größer aussehen als er tatsächlich ist. Möglicherweise benötigt der Sensor mit dem OIS-Modul etwas mehr Platz für die Ausgleichsbewegungen. Unter der Hauptkamera liegen vier weitere Ausschnitte: Einer für das Ultrawide-Objektiv, einer für das Makro, einer für den LED-Blitz und einer für die Ästhetik. Die Rückseite ist leicht gebogen, um einen bequemeren und sichereren Griff zu gewährleisten, während der Spalt zwischen dem Rahmen und der Glasscheibe kaum spürbar ist. Trotz des Kameramoduls fühlt es sich aber nicht kopflastig an, ganz im Gegenteil. Es neigt eher dazu, in Ihrer Hand zu bleiben.

Apropos Rahmen, er passt perfekt zur Farbe des hinteren Glases. An den Seiten ist er abgerundet, während die Ober- und Unterseite flach sind. Auf der Oberseite befinden sich der IR-Sender und das Sekundärmikrofon. Auf der Unterseite ist der sekundäre Lautsprecher, der SIM-Slot und der USB-C-Anschluss angeordnet. Die Lautstärkewippe und die Ein-/Aus-Taste, die gleichzeitig als Fingerabdruckscanner fungiert, befinden sich auf der rechten Seite des Rahmens. Der Ein-/Ausschalter befindet sich in einem subtilen Grat, der sich leicht erfühlen lässt. Haptisch und ergonomisch kamen alle in der Redaktion damit sofort klar, darunter auch Menschen mit eher kleinen oder großen Händen.

MIUI 12 basierend auf Android 10

Der wohl beste Teil eines Xiaomi-Telefons ist MIUI. Und wir sprechen nicht über die Benutzererfahrung, da diese stark subjektiv ist. Wir sprechen über Updates. Selbst die günstigen und Mittelklasse-Smartphones von Xiaomi erhalten nach dem Launch mehr als zwei wichtige MIUI-Updates. In den meisten Fällen ist die nächste MIUI-Version mit den meisten Funktionen der neuesten Android-Version ausgestattet. In diesem Fall bietet MIUI 12 bereits einige Funktionen, die für Android 11 von wesentlicher Bedeutung sind, zum Beispiel einmalige App-Berechtigungen. Obwohl auf den meisten Xiaomi-Handys MIUI 12 auf Basis von Android 10 ausgeführt wird.

Das erste, was hier zu bemerken ist, ist der überarbeitete Benachrichtigungsfarbton beziehungsweise die Trennung des Benachrichtigungsfarbtons von den Shortcuts. Wenn Sie vom oberen linken Teil der Taskleiste nach unten wischen, werden alle Benachrichtigungen geöffnet, während beim Wischen von rechts das sogenannte Kontrollzentrum geöffnet wird. Diese Funktionalität stammt direkt von iOS und wurde mittlerweile von mehreren Herstellern adaptiert. Darüber hinaus können die Benachrichtigungskarten so angepasst werden, dass sie in einer typischen Android-Art und Weise angezeigt werden oder den MIUI-Look übernehmen. Das Command Center hingegen ist in Bezug auf Anpassungen eher eingeschränkt. Die meisten Shortcuts können neu angeordnet, hinzugefügt oder entfernt werden. Es gibt jedoch vier hervorgehobene, statische Icons: Die mobilen Daten, Wi-Fi, Bluetooth und die Taschenlampe.

Ein weiterer bemerkenswerter Unterschied sind die Übergangsanimationen, die sehr schnell und reibungslos ablaufen. Die Bildwiederholfrequenz von 144 Hz hilft auch dabei. MIUI 12 bringt auch eine relativ alte Funktionalität von Android zurück: Den App-Drawer. Bei einigen MIUI 11-Smartphones hatte Xiaomi ihn weggelassen. Er ist in den Einstellungen des Startbildschirms versteckt und kann nun de- und aktiviert werden. Der App-Drawer selbst sieht auch etwas anders aus. Die Suchleiste befindet sich am unteren Rand des Displays und es gibt App-Kategorien, die angepasst, entfernt oder hinzugefügt werden können.

Da es sich bei dem Display um ein LCD-Display handelt, ist die Funktion „Always on“ nicht verfügbar. Dafür aber 60, 90 und 144 Hz Bildwiederholfrequenz, wobei letztere die meiste Energie schluckt. Es gibt auch eine ziemlich nützliche Einstellung namens Sonnenlichtmodus im Untermenü Helligkeitsstufe, der die Helligkeit des Displays erhöhen kann, selbst wenn die Helligkeitsregelung auf manuell eingestellt wurde. Eine starke Lichtquelle oder eine sehr helle Umgebung ist erforderlich, um die Funktion zu starten. Eine genauere Kontrolle über Apps ist auch in MIUI 12 möglich. Jede App kann so eingestellt werden, dass sie immer im Hintergrund ausgeführt wird. Lässt man das System entscheiden, welche Prozesse wichtig sind, können Apps im Hintergrund verschwinden (inklusive ihrer Push-Nachrichten) oder auch vollständig beendet werden, sobald man sie schließt.

Die einzige neue Funktion auf der Registerkarte „Zusätzliche Einstellungen“ ist die Option „Lautsprecher reinigen“. Damit wird 30 Sekunden lang ein Ton mit maximaler Lautstärke abgespielt, was helfen soll, Staub oder Wasser von der Membran zu pusten. Laut Xiaomi kann man das bei Bedarf auch mehrmals ausführen. MIUI 12 ist vollgepackt mit obskuren und nicht so obskuren Funktionen, so dass es wirklich schwierig ist, sie alle auf einer Seite zu behandeln. Aber die gesamte Benutzererfahrung ist geradezu flüssig, vielseitig und irgendwie auch ausgereift. MIUI 12 ist Xiaomis bisher beste MIUI-Iteration. Sie sieht sauber, griffig und einfach gut aus. Die Bildwiederholfrequenz von 144 Hz und das hervorragende haptische Feedback sind nur einige kleine Details, die zur allgemeinen Benutzererfahrung beitragen.

Hervorragendes LCD-Display

Das LCD-Display des Mi 10T Pro ist wohl eines der besten auf dem Markt. Das große 20:9 6,67 Zoll-Display mit einer Auflösung von 1.080 x 2.400 Pixel beeindruckt mit hoher Helligkeit, HDR10+-Unterstützung und einer Bildwiederholfrequenz von 144 Hz. Es ist möglicherweise eines der fortschrittlichsten LCD-Panels, was wir je in den Händen hatten. Vor allem aufgrund seiner Unterstützung für die adaptive Synchronisierung. Aber dazu später mehr. Unabhängig davon, welches Lager Sie unterstützen – LCD oder OLED – ist es bemerkenswert, dass dieses Display hier gegen OLED-Konkurrenten antreten kann. Die maximale Helligkeit beträgt ca. 500 Nits, je nachdem, welchen Farbmodus Sie wählen. Gleichzeitig erreicht das Display bei Max Auto 630 Nits – genug, um an einem sonnigen Tag noch ein angenehmes Bild zu produzieren. Das einzige, was man vom OLED vermissen könnte, sind die wirklich tiefen Schwarztöne. Um nicht zu sagen, dass dieses LCD keinen hohen Kontrast und keine tiefen Schwarzwerte bieten kann.

Die enthaltenen Farbvoreinstellungen sind ziemlich zahlreich und auch etwas verwirrend. Die Standardeinstellung ist Auto. Dies wird empfohlen und passt die Farbkalibrierung des Displays an die Umgebung an. Der gesättigte Modus bietet Farben, die etwas übertrieben sind, und blau-weiße Farben. Der durchschnittliche dE2000 in diesem Modus beträgt 4,7. Die Original-Farbvoreinstellung senkt den Wert auf nur 2,3, wobei Weiß nur ein wenig abweicht und sich wieder in Richtung Blau neigt. Die Komplikation kommt jetzt mit dem erweiterten Modus, in dem Sie zwischen erweitert, Original, P3 und sRGB wählen können. Wir haben den P3-Modus gegen den DCI-P3-Farbumfang und den sRGB gegen den sRGB-Farbumfang getestet. Der durchschnittliche dE2000 in beiden Modi ist bei DeltaE 3.8 sehr gut.

Nun zum lustigen Teil – der hohen Bildwiederholfrequenz. Xiaomi bewirbt eine adaptive Bildwiederholfrequenztechnologie namens Smart AdaptiveSync Display. Je nach Inhalt passt das Telefon die Bildwiederholfrequenz des Bildschirms auf 30, 48, 50, 60, 90 oder 144 Hz an. Normalerweise werden YouTube- und Netflix-Videos mit 48-50 Hz angezeigt. Wenn Sie jedoch ein 60 fps-Video starten, geht das Display auf bis zu 120 Hz. Das funktioniert auch mit lokalen Dateien. Unser einziges Problem ist die MEMC-Funktion, die während der Videowiedergabe nicht deaktiviert werden kann. MEMC findet man in modernen Fernsehgeräten, die Technik ist auch als Soap Opera-Effekt bekannt. Sie fügt systemgenerierte „Kompensationsbilder“ zwischen den realen Bildern ein, um die Gesamtbildrate für zusätzliche Glätte zu erhöhen. Wenn Sie beispielsweise das 24 fps-Video sehen, erhöht das Telefon auf 48 fps entsprechend der 48 Hz-Bildwiederholfrequenz.

Die Ergebnisse sind nicht immer großartig, da sie je nach Videoinhalt einen Schmiereffekt erzeugen können. OnePlus bot mit dem OnePlus 8 Pro eine ähnliche Funktion, bot den Benutzern jedoch zumindest die Möglichkeit, sie auszuschalten. Wir konnten keine ähnliche Option für das Mi 10T Pro finden und hoffen, sie in einem zukünftigen Update zu sehen, da MEMC unserer Meinung nach das Seherlebnis beim Ansehen eines Videos beeinträchtigen kann. Zurück zur adaptiven Synchronisierung – das System kann statische Bilder und Animationen erkennen. Sobald Sie aufhören, mit dem Display zu interagieren, wird die Bildwiederholfrequenz auf 60 Hz, manchmal sogar auf 50 Hz zurückgefahren. Wenn Sie das Display berühren, kehrt es je nach Ihren Einstellungen auf bis zu 144 Hz zurück. Mit Ausnahme der MEMC-Funktion ist dies bei weitem eine der besten, wenn nicht sogar die beste adaptive Synchronisierungslösung mit intelligenter Erkennung des Inhalts und zahlreichen dazwischen liegenden Schritten zur Aktualisierungsrate.

Das viel diskutierte HDR10+ ist ebenfalls an Bord. Nicht alle Streaming-Plattformen unterstützen HDR10+, YouTube und Netflix gehören zu den positiven Ausnahmen. Das HDR-Videoerlebnis ist nicht spektakulär. Aufgrund der großflächigen Hintergrundbeleuchtung fällt das selektive Dimmen einzelner Displaybereiche nicht besonders präzise aus. Genau darunter leidet auch die Qualität von HDR10+, was eigentlich eine kluge Technik darstellt. Trotzdem sehen Filme und Videos besser mit HDR10+ aus als ohne.

Performance: Snapdragon 865

Es ist vielleicht nicht die Plus-Variante, aber wenn dies Xiaomi erlaubt hat, einige Kosten zu senken, sind wir mit dieser Entscheidung definitiv einverstanden. Immerhin ist der Unterschied zwischen dem Snapdragon 865 und dem 865+ nicht groß. Beide sind Ende 2020 immer noch konkurrenzfähige Chipsätze. Er enthält eine Octa-Core-CPU (1 x 2,84 GHz Kryo 585, 3 x 2,42 GHz Kryo 585 und 4 x 1,80 GHz Kryo 585) und eine Adreno 650 GPU, die sich um die grafisch intensiven Aufgaben kümmert. Der Chipsatz basiert auf der 7 Nm + EUV-Technologie, was Strom sparen soll. Und im Gegensatz zum Vorgänger bietet die Basisvariante des Mi 10T Pro 8 GB RAM und 128 GB Speicher, während die teurere Version den Speicher auf 256 GB erhöht. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass die 256 GB-Version mit dem neuesten UFS 3.1-Standard und damit deutlich mehr Tempo arbeitet. Leider gibt es keinen microSD-Kartensteckplatz.

Akku-Laufzeit

Angesichts der Größe des Akkus erwarteten wir hervorragende Laufzeiten für das Mi 10T Pro, sowohl was Screen-on-time als auch was Standby angeht. Es scheint jedoch, dass die Gesamtoptimierung des Systems den größten Teil der Kapazität des 5.000 mAh-Akkus frisst. Zum Glück arbeitet die Steuerung der Bildwiederholfrequenz recht akkurat und schont den Akku, wo es geht. Wir konnten den Webbrowsertest nicht mit 144 Hz ausführen, da er standardmäßig auf etwa 50-60 Hz zurückfällt. Die Videowiedergabezeit lässt sich ebenfalls nicht mit 144 Hz testen.

Ladezeit

Das Xiaomi wird mit einem proprietären 33 Watt-Ladegerät geliefert. Das Mi 10T Pro ist jedoch auch mit dem Power Delivery 3.0-Standard kompatibel. Dank des sogenannten MMT-Parallelladens war der Ladevorgang des 5.000 mAh-Akkus in nur 58 Minuten abgeschlossen, für einen 33 Watt-Charger ein respektabler Wert. Nach 30 Minuten laden kletterte der Ladebalken auf 61%.

Lautsprechertest

Ein sehr willkommenes Upgrade gegenüber dem Mi 9T Pro sind die Lautsprecher. Der Ohrhörer fungiert gleichzeitig als zweiter Lautsprecher, und wir fanden, dass er genauso laut ist wie sein Gegenspieler am unteren Rand. Das Handy erzeugt ein ausgewogenes Klangbild mit klaren Stimmen, aber ohne Fülle und Bass. Die maximale Lautstärke ist nicht beeindruckend. Wir würden sie dennoch als ausreichend bezeichnen.

Dreifach-Kamera-Setup mit 108 Megapixel-Hauptsensor

Die Hauptkamera, die den größten Teil der Arbeit erledigt, verwendet den Bright HMX-Sensor von Samsung mit einer Sensorfläche von 1/1,33 Zoll und einer Pixelgröße von 0,8 µm Pixel. Da der Sensor die native 4-in-1-Pixel-Binning-Technologie unterstützt, beträgt die tatsächliche Pixelgröße 1,6 µm und die tatsächliche Auflösung der Bilder 25 Megapixel, nicht wie erwartet 27 Megapixel. Der Sensor wird durch eine ziemlich große Blende von 1:1,69 und einen optischen Bildstabilisator unterstützt. Ein echtes Teleobjektiv gibt es nicht. Zoom-Bilder sind zugeschnittene 2x-Digital-Zoom-Bilder. Dank des 108 Megapixel-Hauptsensor sehen diese wahrscheinlich besser aus die meisten preisgünstigen 2x-Zoom-Linsen. Aber dazu später mehr.

Das Ultra-Wide verfügt über einen 13 Megapixel-Sensor, der mit einer Blende von 1:2,4 und 1,12 µm-Pixeln gekoppelt ist. Der angegebene Betrachtungswinkel beträgt 123 Grad, was ein guter Wert ist. Die dritte Kamera ist eine dedizierte 5 Megapixel-Einheit mit einer Blende von 1:2,4 und, ungleich wichtiger: Einem Autofokus. Dieser ist für die Makrofotografie sehr wichtig. Die Selfie-Kamera ist dieselbe 20 Megapixel-, 1/3,4 Zoll-Einheit mit einer Blende von 1:2,2 und 0,8 µm Pixeln. Beim Mi 9T Pro steckte diese Kamera im motorisierten Popup-Mechanismus.

Tageslichtproben – Hauptkamera

Wie man vermuten würde, produziert das Telefon großartige Fotos bei Tageslicht mit 25 Megapixeln. Die Motive kommen mit vielen Details scharf heraus, selbst feine Details sind von weitem zu sehen. Die Farben sehen natürlich aus, sind definitiv nicht übertrieben und der Dynamikbereich ist breit – keine abgeschnittenen Highlights. Durch Einschalten der KI werden die Farben verbessert und die Bilder werden kontrastreicher. Es gibt jedoch weiche Bereiche und Rauschen in dunklen Teilen der Bilder. Bei Innenaufnahmen wird das auch bei guter Beleuchtung deutlicher. Bei den meisten Fotos ist auch eine Weichheit am linken Rand zu beobachten. Trotzdem ist die Kantenweichheit nicht stark, so dass sie wahrscheinlich keine unerwünschte Aufmerksamkeit erregt. Die 108 Megapixel-Bilder sind keineswegs beeindruckend. Sie bieten eine ähnliche Verarbeitung, jedoch mit deutlich mehr Rauschen und kaum mehr Details bei abnehmender Schärfe.

2x Zoom

Da im 2x-Zoom-Modus immer noch die Hauptkamera verwendet wird, gelten die oben genannten Vor- und Nachteile. Und natürlich verstärkt das Vergrößern dieser Fotos einige der Probleme. Vor allem, wie die Software mit dem Zuschneiden umgeht, enttäuscht. Anstatt nur die Mitte der 25 Megapixel-Fotos zuzuschneiden, die das Produkt aus dem Binning der 108 Megapixel sind, wird der zugeschnittene Teil auf 25 Megapixel hochskaliert. Gleiches gilt für den 108 Megapixel-Modus: Die Software schneidet von der Mitte aus zu skaliert dann auf 108 Megapixel hoch. In beiden Fällen entsteht insgesamt ein weicheres Bild. Über den 2- und 3-fachen Zoom hinauszugehen, lohnt sich nicht. Von 5-fach-Zoom ganz zu schweigen – die Bilder sehen nicht gut aus. Ein richtiges Teleobjektiv wäre hier definitiv die bessere Wahl gewesen.

Ultra-Wide-Kamera

Wir hatten keine Flaggschiff-Ultra-Wide-Kamera-Leistung erwartet. Trotzdem ist die Leistung dieser Kamera nicht zufriedenstellend. Die Bilder kommen eher weich mit fehlenden Details heraus. Der enge Dynamikbereich ist auch ein Problem: In den meisten Szenen wurden die Highlights einfach „herausgeschnitten“. Farben dagegen sehen gut aus und sind etwas druckvoller als bei der Hauptkamera ohne eingeschaltete KI. Auch die Objektivkorrektur leistet gute Arbeit, insbesondere angesichts des weiten Sichtfelds von 123 Grad. Keine übermäßigen Farbsäume oder Kantenweichheit, die beide bei Ultra-Wide-Kameras in dieser Preisklasse eine wichtige Rolle spielen.

Makrokamera

Angenehm überraschte hingegen die Makrokamera. Der Autofokus hilft sehr, und bei den meisten Fotos kam das Motiv klar heraus. Die Menge an Details und Schärfe, die es erfasst, ist für den kleinen 5 Megapixel-Sensor ziemlich beeindruckend. Gleichzeitig sahen die Farben natürlich und der Kontrast gut aus. Auf jeden Fall eine der guten Makrokameras da draußen.

Schlechte Lichtverhältnisse – Hauptkamera

Das erste, was auffällt, ist der große Dynamikbereich, ohne dass der dedizierte Nachtmodus aktiviert werden muss. Hier ist definitiv etwas HDR am Werk, da die Schatten ziemlich viele Details enthalten, während die hellen Bereiche selten abgeschnitten werden – nur bei starken Lichtquellen. Die Schärfe ist größtenteils in Ordnung und der Kontrast ist gut. Das Rauschen wird auch in den dunkleren Bereichen des Bildes auf ein Minimum reduziert. Sie können sich definitiv auf den Standard-Fotomodus verlassen, wenn Sie es eilig haben und nicht warten möchten, bis der Nachtmodus durchgelaufen ist.

Das verbessert übrigens die Gesamtqualität der Bilder erheblich. Es bringt noch mehr Details aus den Schatten heraus, ohne zusätzliches Rauschen hinzuzufügen. Die Lichtquellen werden gut wiedergegeben. Die Motive sehen erheblich schärfer aus, während Farbe und Kontrast unverändert bleiben. Alles in allem empfehlen wir, sich einige Sekunden Zeit zu nehmen, um zu warten, bis der Nachtmodus seine Aufgabe erfüllt, da die meisten mit dem 10T Pro aufgenommenen Szenen davon profitieren.

2x Zoom

Seltsamerweise erzeugt der Nachtmodus weitaus schlechtere 2-fach-Zoomaufnahmen, denen Details und Schärfe fehlen und die direkt verschmiert sind. Normale Zoom-Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen sind definitiv verwendbar und würden auf Social-Media-Plattformen großartig aussehen.

Ultra-Wide-Kamera

Es gibt keinen Nachtmodus für die Ultra-Wide-Kamera, daher gibt es nichts, was den offensichtlichen Probleme entgegenwirken könnte. Die Bilder sehen weich, schlammig und detailfrei aus. Der Dynamikbereich lässt sich lediglich als eng bezeichnen. Lichtquellen werden oft zu weißen Bereichen inklusive einem zusätzlichen Ring drumherum. Dazu kommt im schlechtesten Fall noch Rauschen, was sich bei Ultra-Wide-Bildern des Mi 10T Pro gern in einheitlichen Hintergrund-Bereichen breit macht. Im Langzeitbelichtungsmodus hingegen gelingen professionell aussehende Fotos auch bei schlechten Lichtverhältnissen.

Kamera: Videos

Obwohl wir auf ein paar kleine Probleme mit den Standbildern hingewiesen haben, sehen die Videos auf der anderen Seite fantastisch aus. Das Telefon kann sogar 8K mit 30 fps aufnehmen, da die 108 Megapixel-Hauptkamera und der Snapdragon 865-Chipsatz dazu in der Lage sind. Probleme mit dem 8K-Video tauchten nicht auf. Die Farben sind druckvoll, der Dynamikbereich ist breit und die Wiedergabe läuft flüssig. Der Kontrast ist großartig und es gibt kein Rauschen. Schärfe und Details sind beeindruckend. Ähnliches gilt für das 4K-Video mit einigen eher kleinen Unterschieden. Zum Beispiel bietet das 2160p-Filmmaterial etwas kräftigere Farben und einen höheren Kontrast, allerdings zu Lasten der Details in dunklen Bereichen. Die Schärfe und Details sind im Vergleich zum 8K etwas weniger beeindruckend. Das 2-fache Zoomen ist auch in beiden Aufnahmemodi möglich – 4K und 8K. Die Detailgenauigkeit des 2x gezoomten 8K-Videos ist geradezu erstaunlich. Nicht, dass 4K schlecht aussehen würde. Aber der Unterschied ist wie Tag und Nacht.

Xiaomi Mi 10T Pro 8K-Video:

Die Ultra-Wide-Kamera kann auch 2160p-Videos aufnehmen, obwohl die Qualität weniger beeindruckend ist. Der Dynamikbereich scheint enger zu sein und verliert im Schatten einiges an Details. Die Clips sind im Allgemeinen weich und weisen keine Details auf. Die Farben sind druckvoll und es gibt viel Kontrast. Optische Stabilisierung funktioniert nur in 4K und Full HD, arbeitet da aber zuverlässig. Die Stabilisierung kann deaktiviert werden, wenn Sie ein Stativ verwenden, um das Sichtfeld zu vergrößern. Hat man aber sowieso ein Stativ zur Hand, sollte man sich direkt für 8K-Video entscheiden. Erst wenn Sie es neben dem sogenannten Steady-Videomodus vergleichen, der auf 1080p begrenzt ist und eine gleichmäßige Stabilisierung bietet, sieht es abgehackt aus.

Alternativen

Obwohl das Mi 10T Pro für seinen Preis einiges auffährt, ist es sowohl innerhalb als auch außerhalb des Xiaomi-Lagers starker Konkurrenz ausgesetzt. Seit der Einführung der Mi 10-Serie ist der Preis des Mi 10 5G deutlich gesunken und beginnt nun bei ungefähr 500 Euro. Und für einige könnte dies die bessere Option sein. Das Mi 10 verfügt über ein ähnliches Kamera-Setup und eine ähnliche Leistung. Es unterstützt kabelloses Laden in beide Richtungen. Es verfügt über ein wohl besseres OLED-Display (obwohl es auf 90 Hz begrenzt ist) und einen Fingerabdruckscanner unter dem Display für etwa den selben Preis des Mi 10T Pro.

Ein weiteres erwägenswertes Telefon unter dem Dach von Xiaomi ist das Poco F2 Pro. Eine solide Option für gut 50 Euro weniger. Das ist günstig für ein Smartphone mit einer Flaggschiff-CPU und einem großen OLED-Display, welches die gesamte Vorderseite einnimmt. Nimmt man die geringere Bildwiederholfrequenz und die schlechtere Kameraleistung in Kauf, ist das Poco F2 Pro möglicherweise die sinnvollere Lösung. Das Mi 10T Pro liefert jedoch das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der nächste chinesische Konkurrent ist das Realme X50 Pro 5G. Eines der ersten Geräte mit Snapdragon 865, das Anfang 2020 veröffentlicht wurde. Es ist nur ein bisschen günstiger als das Mi 10T Pro und bietet ebenfalls ein OLED-Display. Mit seinem vielseitigen Setup (durch eine Telezoom-Kamera) gewinnt es das Kamerarennen ein wenig, verliert aber das Rennen um die Batterielebensdauer. Das superschnelle Laden mit 65 Watt könnte das wieder wettmachen.

Und schließlich bietet das frisch erschienene Galaxy S20 FE einige Premium-Spezifikationen für einen ähnlichen Preis wie das 10T Pro. Dafür gibt es allerdings nur 4G – das Xiaomi ist 5G-fähig. Die S20 Fan Edition verfügt über ein 120 Hz-Super-AMOLED-Panel, einen ähnlichen Chipsatz, alle Hauptbrennweiten mit echter 3-fach-Zoom-Tele-Kamera, IP68-Zertifizierung, kabelloses und rückwärts kabelloses Laden sowie einen Fingerabdrucksensor unter dem Display. Ein preiswertes Samsung-Smartphone, das sehr viel richtig macht.

Test-Fazit Xiaomi Mi 10T Pro

Design / Ergonomie - 9
Display - 9
CPU / Leistung - 8.5
Akku - 8
Kamera: Fotos - 7.5
Kamera: Videos - 9

8.5

Testurteil

Wenig Grund zur Kritik: Das Xiaomi Mi 10T Pro bietet ein hervorragendes Gleichgewicht zwischen Preis und Ausstattung. Es ist ein würdiger Nachfolger des Mi 9T Pro aus dem letzten Jahr.

Pro

  • eins der besten LCD-Displays auf dem Markt mit einer Bildwiederholfrequenz von 144 Hz
  • gute Verarbeitungsqualität
  • lange Akkulaufzeit und schnelles Aufladen
  • hervorragende Leistung der Hauptkamera und der Makrokamera
  • Stereolautsprecher
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • ausgereiftes, funktionsreiches und intelligentes MIUI 12 mit detaillierter Steuerung der Bildwiederholfrequenz

Kontra

  • Ultra-Wide-Kamera mit schlechter Performance
  • kein echtes Tele-Objektiv
  • OLED-Displays, auch mit einer niedrigeren Bildwiederholfrequenz, für viele Nutzer erste Wahl

Wenn Xiaomi das Mi 10T Pro vor einem Monat auf den Markt geworfen hätte, wäre dies eine einfache Empfehlung gewesen. Nicht, dass es momentan nicht so ist, aber Samsungs neueste Erweiterung der Galaxy S20-Familie hält uns davon ab, Xiaomis Konkurrenten sofort zu empfehlen. Alles läuft auf Prioritäten hinaus – wenn es um die Akkulaufzeit geht, ist das Mi 10T Pro die Antwort, aber wenn es um den gesamten Funktionsumfang und das Display geht, entscheiden Sie sich für die S20 Fan Edition.

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Dharna
Dharna
10 Monate zuvor

Ich find das ganze Design superschön, vor allem auch die Kamerainsel hinten. Aber wenn die Bilder nichts taugen kann man’s vergessen.

Matze
Matze
10 Monate zuvor

Ich find die Bilder voll ok. Hat kein Telezoom, also digital vergrößert. Da ist die Qualität in der Tat nicht so geil. Aber normal Weitwinkel und Ultra-Weitwinkel geht voll in Ordnung.

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