Android-Tests

Huawei Mate 40 Pro-Test: Fast perfekt

Huawei besteht darauf, dass die Welt nicht mit dem aktuell eskalierenden Handelsstreit endet. Dementsprechend – hier kommt die Mate 40-Serie. Wir haben das Mate 40 Pro zum Test da, das High-End-Flaggschiff, das knapp unter dem ultimativen Mate 40 Pro Plus positioniert ist.

Was sofort auffällt, ist das Display – ein 6,76-Zoll-OLED, die die Seiten des Geräts umhüllt – ähnlich dem Mate 30 aus dem letzten Jahr, aber noch extremer. Auf der Rückseite wartet eine Kameraanordnung, die man so noch nicht gesehen hat. Ein unverwechselbares Design ist demnach weiterhin möglich. Ein Triumvirat aus einer 50-Megapixel-Hauptkamera, einem 5-fachen Periskop-Tele, beide direkt vom P40 Pro, und einer neuen 20-Megapixel-Ultra-Wide-Linse. Unter der Haube werkelt der neue Kirin 9000-Chipsatz, der erste 5-nm-SoC für Android (Apples A14 Bionic im iPhone 12 hat ebenfalls einen). Die Stromversorgung erfolgt über einen 4.400-mAh-Akku, der jetzt keine Rekorde bricht, aber von einem 66 Watt-Adapter per Kabel und bis zu 50 Watt drahtlos aufgeladen wird – das sind keine Anfängerzahlen.

Huawei hat auch nicht an den kleineren Feinheiten gespart, wie zum Beispiel Stereolautsprecher – ein Detail, welches bis heute in manchen Top-Smartphones fehlt. Die Frontkamera bietet eine sichere Gesichtserkennung, und es gibt einen Infrarotsender, über den man seinen Fernseher bedienen kann. Ein IP68-Rating gegen Wassereinbruch scheint mittlerweile schon selbstverständlich zu sein. Sicher, es gibt kein 3,5 mm-Kopfhöreranschluss mehr. Dafür befindet sich in der Box aber ein Headset, im Gegensatz zu manch anderen Boxen.

Huawei Mate 40 Pro Unboxing

Die Verpackung des Mate 40 Pro ist die gleiche wie bei früheren Mates – schwarzer Karton, goldener Schriftzug, roter Leica-Punkt auf der Vorderseite. Im Inneren befindet sich ein komplettes Zubehörset. Ein leistungsstarker 66 Watt-Adapter, der immer noch recht kompakt ist, sowie ein dazugehöriges Kabel sind im Lieferumfang enthalten. Da beide Teile die hauseigene SuperCharge-Technologie verwenden, sollten man für maximale Ladegeschwindigkeit am Originalzubehör festhalten. Es gibt auch ein Paar Kopfhörer, die in einem USB-C-Anschluss enden – das ist die einzige kabelgebundene Schnittstelle des Mate 40 Pro. Es ist kein USB-C-zu-Kopfhörer-Adapter enthalten. Neu hinzugekommen ist diesmal eine Schutzhülle. Es ist ein einfaches klares Silikon, aber es ist dick und bietet sofort Schutz. Und stört auch nicht bei der Touchbedienung an den gekrümmten Displaykanten.

Design

Das Mate 40 Pro verfügt über einige herausragende Designelemente. Das Waterfall-Display, das Hauptkamera-Modul, der Selfie-Kameraausschnitt an der Front. Laut Huawei krümmt sich das OLED-Panel um 88 Grad, um die Seiten des Telefons abzudecken, und wir sehen keinen Grund, diese Behauptung anzuzweifeln. In diesem Display befindet sich ein großer Ausschnitt, in dem sich die Selfie-Kamera und die (ToF-Sensoren für die 3D-Gesichtserkennung befinden. Beim letztjährigen Modell waren diese im iPhone-Stil, aber Huawei wechselte beim P40 Pro zu einer länglichen Implementierung, und dieses Design schaffte es nun auch in das Mate 40 Pro. Apple hat die Kerbe, Huawei hat diesen Ausschnitt. Erfahrungsgemäß fällt schon nach kurzer Zeit nichts davon mehr auf.

Im Gegensatz zum P30 Pro, P40 und dem Mate 30 Pro, die ihre Displays für Sprachanrufe vibrieren lassen, verfügt das Mate 40 Pro über einen herkömmlichen Lautsprecher – der Ton wird durch einen dünnen Schlitz ausgegeben, an dem das Displayglas auf den Aluminiumrahmen trifft. Das geht Hand in Hand mit einer weiteren sehr willkommenen Entwicklung – das neue Mate hat Stereolautsprecher. Bautechnisch identisch beschallt einer die Oberseite des Geräts, der andere die Unterseite. Dazu kommt die Rückkehr der physischen Lautstärketasten. Völlig softwarebasiert auf dem Mate 30 Pro war die Lautstärkeregelung umständlich. Das Mate 40 Pro verfügt wieder über eine mechanische Wippe.

Nimmt man das Mate 40 Pro in die Hand, fällt sofort die Größe auf: 2,4 mm zusätzliche Breite und 0,3 mm mehr Tiefe stehen im Vergleich zum Vorgänger zu Buche. Das kommt natürlich dem kreisrunden Kameramodul zugute. Die Form ist laut Huawei ein Nebenprodukt technischer Überlegungen und keine Design-Entscheidung. Die vier Kameras befinden sich in einem schwarzen Kreis, in dessen Mitte sich das obligatorische Leica-Logo befindet.
Wie jedes High-End-Telefon mit Selbstachtung verfügt das Mate 40 Pro über eine IP68-Klassifizierung für Staub- und Wasserschutz. Die einzige Stelle, an dem man feststellen kann, ob das Mate 40 Pro wasserdicht ist, ist der Kartensteckplatz. Das Fach nimmt eine Nano-SIM-Karte und eine Nano-Speicherkarte hintereinander auf – besser als keine Speichererweiterungsfunktion, aber immer noch keine microSD. Der Kartensteckplatz befindet sich unten, wo sich auch der USB-C-Anschluss, der untere Lautsprecher und das primäre Mikrofon befinden. Das zweites Mikrofon, der zweite Lautsprecher und der IR-Sender sitzen an der oberen Kante.

6,76 Zoll-OLED-Display mit 90 Hz

Das Mate 40 Pro ist mit einem 6,76 Zoll-OLED-Display ausgestattet, das sich um die seitlichen Kanten krümmt. Die Auflösung ist etwas seltsam mit 1.344 x 2.772 Pixel, noch seltsamer als die 1.200 x 2.640 Pixel des P40 Pro. Das Seitenverhältnis, das sich aus diesen Zahlen ergibt, beträgt 2,0625:1 oder 18,6:9. Die Pixeldichte liegt bei 456 ppi. Das Panel unterstützt eine Bildwiederholfrequenz von 90 Hz, genau wie P40 Pro und P40 Pro Plus. Dies kann auf Standard (60 Hz), Ultra (90 Hz) oder Dynamisch eingestellt werden, wodurch es je nach Inhalt angepasst werden sollte. Die Displayauflösung lässt sich ebenfalls runterregeln auf 896 x 1848 Pixel. Im ‚Smart‘-Modus passt das Mate 40 Pro die Auflösung automatisch an.

Die maximale Helligkeit des Displays des Mate 40 Pro ist ausreichend. Wir haben 807 Nits mit adaptiver Helligkeit bei hellem Umgebungslicht gemessen, was mit den anderen High-End-Konkurrenten vergleichbar ist (obwohl das Galaxy Note20 Ultra in unserem Test mehr als 1000 Nits produzierte). Das Ergebnis ist auch etwas höher als beim P40 Pro + (760 Nits) und deutlich besser als die 531 Nits des P40 Pro. Bedient man den Schieberegler manuell, kommt man auf 485 Nits, und auch das ist höher als bei früheren Huawei-Smartphones und entspricht den Konkurrenten der Spitzenklasse. Wenn es um die Farbwiedergabe geht, sind die Dinge beim Mate 40 Pro ziemlich einfach. Es gibt zwei Modi – natürlich und lebendig, jeweils mit einer Standard- / Warm- / Kühl-Einstellung sowie einen Modus für benutzerdefinierte Einstellungen.

Zum Start haben wir das Mate auf Natürlich/Standard eingestellt, und das ergab einen sehr guten durchschnittlichen dE2000 von 2,0 für den Standardsatz von sRGB-Farbfeldern, obwohl der Weißpunkt etwas zu kühl war. Der Wechsel zu Natürlich/Warm verschlimmerte die Situation mit einem ausgeprägten Gelbstich und einem durchschnittlichen dE2000 von 2,4. Weitere Optimierungen mit dem Farbkreis ergaben jedoch einen hervorragenden durchschnittlichen dE2000 von 1,0 mit einem nahezu perfekten Weißpunkt. Im Lebendig/Standard-Modus, der auf den DCI-P3-Inhalt zugeschnitten ist, haben wir einen durchschnittlichen dE2000 von 4,0 gemessen, wobei die Weißtöne stark in Richtung Blau verschoben waren. Bei der warmen Einstellung sank die durchschnittliche Abweichung auf 2,4, aber Weiß bekam eine grüne Verschiebung. Wiederum erzielten wir die besten Ergebnisse mit einer benutzerdefinierten Einstellung im Farbkreis – durchschnittlicher dE2000 von 2,0, Weiß bei etwa 2,5.

Benchmarks und Performance

Das Mate 40 Pro ist das erste Android-Telefon mit einem 5-nm-Chipsatz – Apples A14-Prozessor basiert zwar auf der selben Architektur, die 12er iPhones sind aber noch nicht auf dem Markt. Der hauseigene Kirin 9000-Prozessor des Mate verfügt zudem über ein integriertes 5G-Modem, und das ist eine Premiere – das 5G-Modul von Apple ist ein externes Bauteil. Der Kirin 9000 hat die übliche CPU-Kernanzahl – 8. Neu für einen Kirin ist die von Qualcomm bevorzugte Konfiguration für die letzten zwei Generationen: 1 + 3 + 4. Man bekommt einen Cortex-A77-Kern mit einer maximalen Taktung von 3,13 GHz, drei weitere A77 mit bis zu 2,54 GHz und vier A55 mit bis zu 2,04 GHz.

Was auffällt, ist, dass die Kirin-CPU auf dem vorherigen Kerndesign basiert. Die A78-Kerne sind jetzt offiziell auf dem Markt und werden voraussichtlich im nächsten Jahr im Exynos SoC zu finden sein, mit weiteren Derivaten in den Snapdragon-CPUs. Da wir jedoch bisher weder die Exynos- noch die Snapdragon-CPUs in der Redaktion hatten, lassen sie sich bisher nicht wirklich vergleichen. Was sich Kirin und Exynos teilen werden, ist die GPU – eine Mali G78. Man weiß noch nicht, wie viele Kerne Samsung verwenden wird, aber der Kirin verwendet nicht weniger als 24 – das Maximum, was in Arm’s Design zugelassen wird. Sie sind jedoch relativ niedrig getaktet.

Mate 40 Pro-Modelle werden in verschiedenen Speicherkonfigurationen angeboten. Unser Testmodell verfügt über 8 GB RAM und 256 GB Speicher. Nach wie vor gibt es im Mate 40 Pro einen Leistungsmodus in den Batterieeinstellungen. Erst dann entfaltet das Mate 40 Pro sein volles Potenzial – der Sparmodus trägt seinen Namen zurecht. Wir haben natürlich in beiden Modi getestet und hier kommen die Zahlen.

Im Multi-Core-CPU-Test von GeekBench übertrifft das Mate 40 Pro im Performance-Modus das iPhone 11 Pro Max des Vorjahres um rund 200 Punkte (weniger als 6%), während der Unterschied zu den schnellsten Snapdragons von 2020 eher bei 10% liegt. Im Single-Core-Test liegt das Mate nur hauchdünn vor dem Zenfone 7 Pro mit seinem S865+-Prozessor. Das ROG Phone 3 liegt etwas dahinter und der Rest etwa 10-12% unter dem Mate. Das iPhone 11 Pro Max spielt in der Single-Core-Leistung in einer anderen Liga, wie üblich bei Apple.
Das Mate 40 Pro erzielte zudem die höchsten Ergebnisse, die wir in Antutu bisher gesehen haben. Es lag mit 686.000 Punkten an der Spitze unserer Tabelle. Das Mi 10 Ultra hat es ebenfalls geschafft, die 600k-Marke zu knacken, obwohl es immer noch hinter dem Mate liegt. Der Rest der diesjährigen Flaggschiff-Armada ist sämtlich bei oder unter 600.000. Die Mali G78-GPU im Mate 40 Pro schafft in 3DMark ebenfalls hervorragende Werte für OpenGL- und Vulcan-basierte Anwendungen – ein Vorteil von 20 bis 30% gegenüber den aktuellen Snapdragon 865(+)-Geräten. Die Zahlen des Mate fallen nach ein paar Läufen mit steigender Temperatur auf ein weniger extremes Niveau, aber es behält seinen Vorsprung.

Die höhere Displayauflösung schadet ihm gegenüber 1080p-Konkurrenten in den Onscreen-Läufen. Trotzdem übertrifft es die Flaggschiffe von 2020 mit 1440p-Displays bei weitem. Da es unser erster Test mit dem neuen Kirin ist, haben wir es etwas schwieriger gemacht und einige CPU-Drosselungstests durchgeführt, um zu sehen, wie es sich unter anhaltender Last verhält. Ohne Leistungsmodus unter Volllast auf allen 8 CPU-Kernen lief das Mate 40 Pro etwa zwei Minuten lang mit voller Geschwindigkeit, fiel dann eine Minute lang auf etwa 50% und ging dann eine Minute lang wieder auf volle Geschwindigkeit. Danach pendelte es sich bei einem 1-Minute-100%-2-Minuten-50%-Muster ein, welches es bis zum Testende nach 30 Minuten auch beibehielt.

Wir ließen den Mate abkühlen und switchten anschließend zurück in den Performance-Modus. Hier hielt das Telefon etwa 22 Minuten lang eine Leistung innerhalb einer maximalen Abweichung von 8% seiner Spitzenwerte aufrecht. Dann schaltete es für eine Minute in den 50% -Zustand zurück, gefolgt von 4 Minuten nahezu höchster Leistung und dann wieder 50% für eine Minute. Dies blieb das Muster für etwa eine halbe Stunde, gefolgt von 8 Minuten mit nahezu maximaler Leistung vor dem Ende unseres einstündigen Tests.

So eine große Leistungsabweichung lässt sich kaum als ideal bezeichnen. Es wäre sinnvoller, wenn das Telefon beispielsweise auf 80% (oder was auch immer standfest läuft) seines Maximums abfällt und dies dann so lange wie nötig beibehält, im Gegensatz zu dem von Huawei gewählten Auf-und-ab-Ansatz. Andererseits fiel das P30 Pro in unserem Test auf 60% ab und behielt diesen Wert auf unbestimmte Zeit bei. Mit dem Mate 40 Pro dürfte man daher unterm Strich mehr Leistung pro Minute bekommen.

Akkulaufzeit des Huawei Mate 40 Pro

Das Mate 40 Pro verfügt über einen 4.400-mAh-Akku, eine geringe bis durchschnittliche Kapazität für die Klasse. Das Galaxy Note20 Ultra verfügt beispielsweise über ein 4.500-mAh-Modul, ebenso wie das Xiaomi Mi 10 Pro und das OnePlus 8 Pro, während das Oppo Find X2 Pro mit 4.260 mAh auskommt. Das Motorola Edge +, das Zenfone 7 Pro und das Galaxy S20 Ultra bieten 5.000-mAh-Zellen. Wir haben unsere üblichen Tests mit dem Mate 40 Pro durchgeführt, und es war gut für etwas weniger als 24 Stunden 3G-Sprachanrufe, mit viel sparsamem Standby-Modus. Bei den Screen-On-Tests haben wir 12:33h Wi-Fi-Webbrowsing mit 90 Hz geschafft, was sich auf 14:24 verbesserte, wenn man auf 60-Hz zurückschaltete. Bei der Videowiedergabe schaltet das Telefon immer auf 60 Hz um. In unserem Test reichte das für etwas weniger als 17 Stunden Videowiedergabe.

Im Vergleich zu anderen 90 Hz-Handys aus diesem Jahr liegt das Mate 40 Pro zum Beispiel mehr als eine Stunde hinter dem Mi 10 Pro (13:44h), während das Motorola Edge + (14:27h) zwei Stunden länger durchhält als das Huawei. Das Mate ist dem Zenfone 7 Pro (11:57h) jedoch knapp voraus. Das Surfen mit 120 Hz beansprucht den Akku stärker, und Konkurrenten wie OnePlus 8 Pro (10:58h) und Note20 Ultra (11:31h) können nicht mit der Langlebigkeit des Mate mithalten, geschweige denn mit dem Find X2 Pro (9:08h).

Wenn es um Offline-Videowiedergabe geht, wird das Mate von den meisten Konkurrenten leicht übertroffen. 16: 45h sind dennoch ein sehr guter Wert. Allerdings läuft das Motorola Edge + (20: 14h) mehr als drei Stunden länger, OnePlus 8 Pro (18: 03h), Mi 10 Pro (17: 44h) und Find X2 Pro (17:38h) ordnen sich dazwischen ein. Das Galaxy Note20 Ultra (17: 21h) hält ebenfalls länger durch, allerdings bei einer Bildwiederholfrequenz von 60 Hz.
Das Mate 40 Pro wird mit einem 66 Watt Huawei SuperCharge-Ladegerät geliefert. Es verwendet proprietäre Technologie, um auf die vollen 66 Watt zu kommen – die besten Ergebnisse gibt es daher nicht mit Aftermarket-Ladegeräten. Nach 45 Minuten war das Mate vollständig aufgeladen, nach einer halben Stunde standen bereits 87% auf der Uhr. Das Oppo Find X2 Pro und das Xiaomi Mi 10 Ultra laden zwar noch schneller, trotzdem gehören die Zahlen des Mate aktuell zu den besten überhaupt.

Hat man den SuperCharger nicht zur Hand, kann man bei einem (schnellen) Standard-Ladegerät nach einer halben Stunde mit einem Wert von 33% rechnen, nach 1: 42h ist der Akku komplett voll. Diese Ergebnisse lieferte ein 65 Watt-Adapter eines Drittanbieters, den das Mate eindeutig nicht ausgereizt hat. Mit 30 Watt wäre vermutlich eine ähnliche Zeit zustande gekommen. Das Mate 40 Pro unterstützt auch das kabellose Laden mit bis zu 50 Watt – ebenfalls mit interner Hardware. Reverse Wireless Charging ist ebenfalls möglich.

Huawei macht keine große Sache daraus, aber das Mate bietet einige Optionen, um die Gesundheit des Akkus im Laufe der Zeit zu verlängern. Eines davon ist Smart Charge, das das Aufladen je nach Ladegewohnheiten um bis zu 100% verzögert. Im Gegensatz zu Sony oder Asus gibt es für dieses Gerät keine Einstellungen, bei denen Sie die Zielzeiten für die volle Ladung wählen oder an Ihren morgendlichen Alarm knüpfen können – es ist nur ein einfaches de- oder aktivieren. Standardmäßig ist Smart Charge übrigens an. Während Smart Charge auch auf dem P40 Pro verfügbar war, gibt es auf dem Mate zudem Smart Battery Capacity. Einmal aktiviert, begrenzt es die volle Ladung auf knapp die maximale Kapazität des Akkus. Lithiumbatterien mögen den 100% -Zustand nicht besonders, Smart Battery Capacity umgeht ihn zuverlässig.

Lautsprechertest
Das Mate 40 Pro verfügt über ein Stereolautsprecher-Setup und ist konzeptionell eines der besseren. Man bekommt zwei dedizierte Lautsprecher, einen unten und einen oben, sodass keine Diskrepanz zwischen einem Hauptlautsprecher und Nebenlautsprecher entsteht. Die Audioqualität ist ausgezeichnet. Es ist ein bedeutender Fortschritt gegenüber dem einzelnen Lautsprecher des P40 Pro, und die Verbesserung gegenüber dem Mate 30 Pro ist noch dramatischer. Das neue Mate liefert einen sauberen Sound mit Präsenz in den Tiefen, schönen Vocals und lebhaften, gut platzierten Höhen. Auch die Lautstärke kann sich hören lassen.

Android 10 mit EMUI 11, weiterhin ohne Google Apps
Auf dem Mate 40 Pro läuft Android 10 mit der Huawei EMUI-Oberfläche in Version 11. Wie zu erwarten, bis sich die Beziehungen zwischen den USA und China ändern, hat das Mate keine Google-Dienste an Bord und keinen Zugriff auf den Play Store. Um dies auszugleichen, bietet Huawei seine eigenen mobilen Dienste in der AppGallery von Huawei an.

3D Face Unlock
Ähnlich wie beim P40 Pro haben Sie zwei biometrische Optionen zum Entsperren des Mate 40 Pro. Sowohl Fingerabdruck als auch 3D Face Unlock sind verfügbar und können simultan verwendet werden – je nachdem, was zuerst eintritt. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit gehören, das kennt man von Huawei, zu den besten im Markt. Die Gesichtsentsperrung basiert auf einem 3D-Scan, der von der ToF-Kamera stammt. Sie ist also sicherer als eine bloße zweidimensionale, fotobasierte Lösung. Es funktioniert im Dunkeln, ist oft schneller als der Fingerabdrucksensor und kann so eingestellt werden, dass noch ein Swypen erforderlich ist oder nicht (im Gegensatz zu Apple).

Das Mate 40 Pro verfügt über ein Alaways-on-Display. Wie bei allen EMUI-gesteuerten Geräten können Sie ein Magazin-Sperrscreen einrichten, der das Bild bei jedem Aufwecken des Displays ändert. Wenn Sie von unten nach unten swypen, werden Shortcuts zu häufig verwendeten Apps angezeigt. Auf dem Homescreen finden Sie alle installierten und System-Apps. Im Einstellungsmenü können Sie jedoch zwischen dem Standardlayout und einem Homescreen mit einem App-Drawer wählen. In dieser Version von EMUI gibt es auch einen Ersatz für den Google-Feed, der „Heute“ heißt. Ganz links befindet sich ein Suchfeld, Verknüpfungen zu bevorzugten Kontakten, Fotos usw. und ein Newsfeed mit lokalen Nachrichten über einen von Huawei bereitgestellten Dienst.

Mittendrin, beziehungsweise ganz oben befindet sich dann allerdings die Frontkamera. Ich persönlich finde, der kleine Ausschnitt sieht nach hochwertiger Technik aus. Ist mir viel lieber als Kameras genau in der Mitte, wie sie zum Beispiel bei Samsung gern verbaut werden. Fühlt man sich davon jedoch gestört, gibt es in der Software eine Möglichkeit, diese mit einer schwarzen Statusleiste zu maskieren. Was aber natürlich zu einer wesentlich dickeren Statusleiste führt und eigentlich am Sinn und Zweck vorbei geht. Eine gute Alternative ist, einfach in den Dunkelmodus zu wechseln. Das OLED-Display sorgt für tiefes Schwarz und der Ausschnitt verschwindet in der Dunkelheit.

Während das Waterfall-Display sicherlich cool ist, könnte die eine oder andere App UI-Elemente am äußersten Rand aufweisen. Diese sind dann entweder außer Sicht oder unpraktisch zu bedienen oder beides. Bei diesen Apps können sie den gebogenen Bereich auf beiden Seiten deaktivieren, sodass die App nur im flachen Bereich des Displays dargestellt wird. Multitasking wird auf die standardmäßige Weise gehandhabt (anders als beispielsweise in Xiaomis MIUI) – mit einem horizontal scrollbaren Rolodex. Der Task-Switcher ermöglicht den Split-Screen- oder Popup-Modus. Die meisten Standard-Apps unterstützen die Popup-Ansicht, aber in Split-Screen funktionieren leider nur wenige.

Das Mate 40 Pro verwendet die Betriebssystemnavigation, die den De-facto-Standard für die Branche erreicht hat. Sie wischen nach oben für Home, wischen nach oben und halten auf halbem Weg für den Task Switcher oder wischen vom linken oder rechten Displayrand für einen Schritt zurück. Sie können sich aber natürlich auch für die klassischen virtuellen Icons entscheiden. Interessanter sind die Luftgesten, die ebenfalls der 3D-ToF-Kamera zu verdanken sind. Sie können Screenshots machen, in dem sie etwas mit der Hand greifen, zum Scrollen nach oben und unten wischen oder nach links und rechts, um durch die Galerie zu navigieren. Musik pausieren und abspielen kann man, indem man die Luft vor dem Telefon „zusammendrückt“. Das bei unseren Tests die Trefferquote besonders hoch war, lässt sich allerdings nicht behaupten.

Ein weiteres Merkmal, auf das wir gestoßen sind, ist die automatische Drehung der Benutzeroberfläche basierend auf dem Messwerten der Frontkamera. Wenn Sie das Telefon flach auf dem Tisch liegen lassen und somit keine Beschleunigungsdaten vorliegen, wird die Benutzeroberfläche so gedreht, dass sie der Richtung entspricht, aus der Sie sie betrachten. Das ist zwar hochpraktisch, wirft aber Fragen zum Datenschutz auf. Bedeutet das, dass das Telefon einen ständig ansieht?

Zu den weiteren benutzerdefinierten Softwarefunktionen in EMUI gehört die Optimizer-App, mit der Sie auf Verknüpfungen zur Speicherbereinigung, zu Batterieeinstellungen, blockierten Nummern, Avast-Virenscans und zur Verwendung mobiler Daten zugreifen können. Die Musik-App von Huawei bietet die Möglichkeit, gespeicherte MP3s anzuhören, und umfasst auch die eigenen Musikdienste von Huawei in kompatiblen Regionen. Gleiches gilt für die proprietäre Video-App – sie spielt Ihre lokalen Videos ab, enthält jedoch auch den Video-Streaming-Dienst von Huawei, der YouTube ähnelt. Huawei hat sich mit BBC zusammengetan, um neben allen lustigen und kreativen Videos, die Sie auf den eigenen Streaming-Servern von Huawei finden, weitere interessante Inhalte bereitzustellen.

Die Health-App von Huawei ist vorinstalliert und bietet unter anderem Schrittzählungen. Es gibt eine Dateimanager-App und eine Notiz-App. Die Galerie kommt ebenfalls von Huawei und bietet die üblichen Ansichten für Chronologie und Alben sowie eine Auswahl an Highlights mit KI-Unterstützung. Für den Infrarot-Sender gibt es ebenfalls eine App namens Smart Remote. Das Fehlen von Google-Diensten und damit die Unterstützung einiger wichtiger Apps von Google selbst und Dritten bleibt jedoch ein großes Problem. Das Mate 40 Pro macht da keine Ausnahme und die Situation in Sachen App-Support und App Store ist gegenüber dem P40 Pro unverändert.

Beim Setup kann man die Phone Clone-App verwenden, die alles von Ihrem alten Telefon kopiert, einschließlich aller installierten Apps mit Ausnahme von Google (und einigen Banking-Apps). Ob die Apps aber in Zukunft auch automatisch Updates bekommen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Huawei AppGallery
Die AppGallery von Huawei bietet bereits diverse Apps, aber offensichtlich nicht alle. Es gibt Alternativen, wie zum Beispiel APKPure. Dort bekommt man aber nur kostenlose Apps und Spiele, während die Store-Seite mit kostenpflichtigen Apps lediglich auf den Play Store verweist, der auf dem Mate offensichtlich nicht funktioniert. Dann gibt es den Amazon App Store – er bietet viele der beliebten Apps – sowohl kostenlos als auch kostenpflichtig. Es gibt die Einschränkung, dass einige Apps, unabhängig davon, wie Sie sie beziehen, ohne Google Play Services einfach nicht funktionieren.

Petal Maps
Mit der Mate 40-Serie kündigte Huawei die Einführung seines Google Maps-Ersatzes Petal Maps an. Während es in der AppGallery auf unserem Testgerät nicht auftauchte, haben wir auf dem P40 Pro nachgesehen, wo es bereits installiert war. Es findet Geschäfte und Restaurants und noch so einiges mehr, aber seine Datenbank ist nicht vollständig und es gibt veraltete Firmennamen. Manche Firmen fehlen komplett – zumindest bei unserem Test.
Ein weiteres Problem ist, dass die Verkehrsdaten falsch sind und überall grün angezeigt werden, wenn dies nachweislich nicht der Fall ist. Wenn man Trafficdaten von jedem Nutzer mit Google Maps auf seinem Handy nutzen kann, ist man selbst als Huawei mit Petal Maps eine ziemlich kleine Leuchte, zumindest im Moment noch. Das Design und die UX gefiel uns jedoch ziemlich gut, vor allem für einen ersten Versuch einer eigenen Navigationsapp.

Kamera: Fotos

Das Mate 40 Pro wird mit drei Kameras auf der Rückseite geliefert. Zwei davon stammen vom P40 Pro – das Hauptmodul und das Teleobjektiv, während das Ultraweitwinkelmodul brandneu ist. Dieses neue Ultra-Wide verwendet jetzt einen 20 MP-Sensor mit einem herkömmlichen Bayer-RGB-Filterarray anstelle der 40 MP-Quad-Bayer-Einheit des P40 Pro. Sie erinnern sich vielleicht, dass das P30 Pro ein 20 MP-Ultra-Wide hatte, aber das ist es nicht – das Mate 40 Pro hat eine Neuentwicklung bekommen. Ähnlich wie beim letztjährigen Mate und dem P40 Pro aus dem Jahr 2020 ist das Ultra-Wide des Mate 40 Pro nicht allzu ultra – es verfügt über ein 18-mm-Objektiv. Der Sensor hat wieder ein natives 3: 2-Verhältnis, wie bei einer herkömmlichen Kamera, anstelle der quadratischeren 4:3–Module bei den meisten Smartphones. Das Ultra-Wide des Mate kann auch automatisch fokussieren – Xiaomi und OnePlus arbeiten ebefalls so, Samsung und Apple nicht.

Die Hauptkamera ist die 50 MP-Linse, die mit dem P40 Pro eingeführt wurde. Darunter ist ein stattlicher 1/1,28″-Sensor verbaut mit einem RYYB Quad Bayer-Farbfilter mit einer individuellen Pixelgröße von 1,22 µm – oder 2,44 µm bei Kombination von vier Pixeln. Das vordere Objektiv hat eine Blende von 1:1,9 und eine umgerechnete Brennweite von 23 mm. Die standardmäßigen 12 Megapixel-Bilder werden etwas kleiner zugeschnitten mit 27 mm ausgegeben – vermutlich, da die Bildqualität und vor allem die Krümmung in den Bildecken ansonsten zu stark leidet. Das Teleobjektiv stammt ebenfalls vom P40 Pro. Es wird ein stabilisiertes Periskopobjektiv verwendet, das eine Brennweite von 125 mm oder 135 mm liefert, je nachdem, wen man fragt, was 5-fach Zoom bedeutet. Die Blende von 1:3,4 klingt im Vergleich zum 1:3,0-Tele des Note20 Ultra zwar recht schwach, doch mehr dazu gleich. Hinter der Linse befindet sich ebenfalls ein 12 MP-Sensor.

Auf der Vorderseite gibt auch es Änderungen gegenüber dem Setup des P40 Pro – eine 13 Megapixel-Ultra-Wide-Kamera mit festem Fokus ersetzt die 32 Megapixel-Quad-Bayer-Einheit mit Autofokus. Sieht auf dem Papier nach einem Downgrade aus, obwohl die Brennweite von 18 mm eigene Vorteile bietet, wie wir später sehen werden.

Kamera-App
Die Kamera-App des Mate 40 Pro ist die gleiche wie beim P40 Pro und bietet nahezu identische Funktionen wie jede andere Kamera-App auch. Ein bisschen genervt hat der Zoom-Selektor. Während er hochkant noch einigermaßen gut erreichbar ist, erfordert es, wenn Sie das Mate mit der linken Hand oder im Querformat in beide Richtungen verwenden, immer eine zweite Hand (oder eine erste Nase, je nach Situation). Angesichts der stetig wachsenden Bedeutung der Zoomfunktion sollte der Selektor so schnell wie möglich verbessert werden.

Es gibt auch einen Pro-Modus, in dem Sie die Parameter selbst einstellen können – ISO (50 bis 409.600), Verschlusszeit (1/4000s bis 30s), Belichtungskorrektur (-4 bis + 4EV in Schritten von 1/3) und Weißabgleich (Voreinstellungen und spezifische Lichttemperatur). Sie können auch den Messmodus (Matrix, mittenbetont und Punkt) und den Fokusmodus (einfach, kontinuierlich und manuell) auswählen. Wenn das Telefon denkt, dass Sie die Belichtung durcheinander gebracht haben, wird ein Symbol angezeigt, das Sie warnt. Allerdings ist der Pro-Modus für alle drei Kameras verfügbar, was bei konkurrierenden Telefonen normalerweise nicht der Fall ist. Es gibt keinen Pro-Modus für Videos, was etwas seltsam ist, da das P40 Pro einen hatte.

Huawei hat seit Jahren zwei Ansätze für Bokeh-Fotos: Es gibt sowohl einen Portrait-Modus als auch einen Aperture-Modus. In letzterem können Sie die simulierte Blende im Bereich von 1:0,95 bis 1:16 auswählen. Nach der Aufnahme können Sie die Blende und den gewünschten Fokuspunkt in der Galerie ändern. Im Porträtmodus können Sie die Hintergrundunschärfe aktivieren und deaktivieren. Zusätzlich lässt sich aber auch die Form des Bokeh auswählen – Kreise, Herzen, Wirbel oder Discs. Sie können sich auch für simulierte Beleuchtung entscheiden und einen Boost auf einer Skala von 0 bis 10 hinzufügen.

Bildqualität bei Tageslicht
Die Hauptkamerafotos des Mate 40 Pro bei Tageslicht sind einfach großartig. Ein besonders großer Dynamikbereich und sehr ansprechende, satte und leicht aufgewärmte Farben fallen hier sofort positiv auf. Feine Details werden auf natürliche Weise gerendert und zufällige Texturen wirken sehr naturgetreu. Es gibt wenig Rauschen, aber wenn wir uns über etwas auf Pixelebene beschweren müssen, wäre dies das relativ ausgeprägte Aliasing von geraden, abfallenden Linien. Master AI, Huaweis Foto-Assistent, neigt dazu, die Farbsättigung etwas selektiv zu steigern – ein blauer Himmel wird fast schon kitschig blau, während ein grüner Rasen auch deutlich, aber nicht ganz so stark betont wird. Insgesamt ist es nicht so extrem wie frühere Implementierungen und für gesättigte Fotos gut verwendbar.

Man kann natürlich auch mit der vollen Auflösung von 50 MP aufnehmen. Dann schaltet das Mate auch die native Brennweite von 23 mm frei – 12 MP-Aufnahmen sind mit 27 mm etwas kleiner vom Bildausschnitt her. Uns fielen bei diesen Bildern aber keine zusätzlichen Details auf, lediglich mehr Rauschen. Rechnet man diese Bilder hinterher auf 12 MP herunter, bekommt man zwar mehr Bildinformationen und ein Teil des Rauschens wird ebenfalls maskiert. Man bleibt jedoch weit hinter den vom Mate selbst berechneten 12 MP-Fotos.

Das Periskop-Teleobjektiv macht ebenfalls hervorragende Bilder mit vielen Details und wenig Rauschen. Der Dynamikbereich ist ebenfalls großartig und die Farben haben den gleichen sympathischen Hauch von Wärme, der für die Leistung des Mate in diesem Jahr im Allgemeinen charakteristisch zu sein scheint. Die Ultraweitwinkelkamera des Mate 40 Pro als neues Gerät war für uns vielleicht die faszinierendste. Obwohl die Abdeckung nicht extrem breit ist, gehört sie zu den besten, die wir in Bezug auf die Bildqualität gesehen haben – wahrscheinlich nicht zuletzt dank der konservativeren Brennweite.

In der Tat haben die ultrabreiten Fotos vom Mate feine Details und nahezu kein Rauschen, und die Schärfe bleibt bis auf die Ecken über den gesamten Bildausschnitt erhalten. Die Farben sind schön lebendig, ähnlich wie bei der Hauptkamera, jedoch mit einer etwas anderen Verarbeitung von himmelblauen Bildanteilen. Das Ultra Wide-Objektiv des Mate kann auch automatisch fokussieren, im Gegensatz zu einem festen Fokuspunkt im Unendlichen bei den Galaxys und iPhones dieser Welt. Bedeutet, dass es in einem der Hauptanwendungsfälle des Ultra Wide eingesetzt werden kann – um die Aufmerksamkeit auf einen Fokuspunkt im Vordergrund zu lenken. Notiz am Rande: Makro-Aufnahmen sind nicht möglich, so nah darf der Fokus dann doch nicht liegen.

Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen
Wie erwartet ist das Aufnehmen bei schlechten Lichtverhältnissen für das Mate 40 Pro kein Problem. Nachtaufnahmen haben einen ausgezeichneten Dynamikbereich mit tiefen Schatten. Die Farben sind gut gesättigt, und das Telefon verarbeitet warme Straßenlaternen ohne den orangenen Farbton, den wir schon allzu oft gesehen haben. Das Details sind großartig, das Rauschen nur minimal. Die Leistung im Fotomodus ist so gut, dass man sich den Nachtmodus im Prinzip sparen kann. Vielleicht ist der einzige Vorteil die geringfügige Verbesserung der hellsten Bildpunkte, aber sie ist so gering, dass sie die erhöhte Aufnahmezeit und die kombinierten Effekte der Langzeitbelichtung und des erhöhten Schärfens nicht ausgleichen kann. Ich habe mich nach vielen Testaufnahmen am Ende an den AI-Modus gehalten und das Mate machen lassen.

Die Tele-Kamera schneidet bei schlechten Lichtverhältnissen ebenfalls recht gut ab. Es braucht etwas Licht, um zu arbeiten. Ist das gegeben, liefert es scharfe und detaillierte Aufnahmen, die ebenfalls praktisch rauschfrei sind. Und wieder einmal sind Dynamikbereich und Farben richtig gut. Es ist erwähnenswert, dass das Mate bei sehr dunklen Bedingungen standardmäßig die Hauptkamera für Telezwecke verwendet und diese Bilder eine ziemlich schlechte Qualität aufweisen. Dabei reden wir aber von so wenig Licht, dass man tendenziell sowieso kein Foto machen muss.

Die Ultraweitwinkelkamera enttäuscht auch nicht. Sie ist in der Lage, ohne signifikante Qualitätseinbußen heller als die meisten Mitbewerber zu belichten, was ihm einen Vorteil bei der Schattenentwicklung verschafft. Ein gemeinsames Thema für alle Mate-Kameras – großer Dynamikbereich und ansprechende Farben. Nachtmodusaufnahmen aus dem Ultra-Wide-Format werden mit einem Seitenverhältnis von 12 MP und 4:3 geschossen, im Gegensatz zum nativen Verhältnis von 20 MP und 3:2. Das Mate beschneidet hier also die Seiten. Der Rückgang bei der Auflösung mit dem üblichen Nachtmodus fällt bis ins kleinste Detail ab, um ziemlich unscheinbare Ultra-Weitwinkelaufnahmen im Nachtmodus zu erzielen. Keine Sorge, die im Fotomodus sind sowieso großartig.

Porträts
In typischer Huawei-Manier verfügt das Mate 40 Pro über einen Portrait-Modus und einen Aperture-Modus. Mit beiden können Sie simulierte Bokeh-Bilder machen. Der Portrait-Modus ist für Menschen gedacht und bietet Effekte wie unterschiedlich geformte Bokeh-Bälle, Faltjalousien, Bühnenblitze und so weiter. Es gibt auch einen einfachen Schieberegler für die Verschönerung von 0 bis 10 – keine granulare Augenvergrößerung oder Gesichtsverdünnung wie bei anderen chinesischen Handys. Nicht dass wir Fans davon wären.

Im Porträtmodus gibt es drei Zoomstufen: 1x, 2x und 3x oder äquivalent 27 mm, 54 mm und 81 mm Brennweite. Das Telefon verwendet standardmäßig die 2-fache Vergrößerung, wenn Sie den Porträtmodus öffnen. In jedem Fall werden alle dortigen Zoomstufen mit der Hauptkamera erfasst. Die Motiverkennung ist hervorragend. Bemerkenswert überzeugend ist auch die Hintergrundunschärfe. Hinzu kommt der große Dynamikbereich man am Ende einige wirklich gute Porträts im Speicher hat. Aber während all das für alle drei Vergrößerungen gilt, führt nur die 1-fache Zoomstufe zu wirklich scharfen und detaillierten Aufnahmen. Wenn Sie im Standard-2x-Modus bleiben, erhalten Sie kaum passable Qualität, und die 3x-Einstellung wird am besten ganz vermieden.

Wenn Sie in den Blendenmodus wechseln, erhalten Sie denselben Zoomwähler mit drei Positionen und eine weitere Steuerung für die simulierte Blende im Bereich von 1:0,95 bis 1:16. In diesem Modus gibt es keine Bokeh-Effekte oder Verschönerungen. Während die Motivtrennung bei allen Zoomstufen dieselbe ist wie im Hochformat und die Bildqualität bei 1-fachem Zoom, sind Aufnahmen mit 2-facher und dreifacher Vergrößerung im Blendenmodus weitaus besser als im Hochformat. Die vielleicht beste Balance erzielt Aperture bei 2x – hervorragende Bildqualität bei komfortabler Entfernung zum Motiv. Der 3-fache Zoom ist ebenfalls verwendbar – wir empfanden ihn als schärfer als der 2-fache Porträtmodus.

Der Blendenmodus eignet sich schließlich auch hervorragend für nichtmenschliche Motive mit zuverlässiger Motiverkennung und überzeugender Hintergrundunschärfe. Auch hier entstanden Bilder mit hervorragenden Details bei 1x, sehr guten bei 2x und anständigen bei 3-fachen Zoom.

Selfies
Selfies auf dem Mate 40 Pro gehen ebenfalls in drei Zoomstufen. Alle stammen von derselben 13 Megapixel-Frontkamera mit Ultra-Weitwinkelobjektiv und einer nativen Brennweite von 18 mm. Wenn Sie den Sucher auf Selfies umschalten, wird standardmäßig das 0,8-fache eingestellt, was 22 mm entspricht, während die 1-fache Zoomstufe 27 mm beträgt. Zugegeben, die ultrabreite Einstellung ist ein bisschen viel für Selfies mit nur einer Person, obwohl sie Wunder wirkt, um den Kontext einzufangen.

Die 1x-Zoomstufe ist die engste von allen. In Bezug auf die Abdeckung ist es etwas enger als die Haupt- (oder einzigen) Selfie-Kameras der Konkurrenz, und mit der dreifachen Brennweite des Mate erhält man eine Vielseitigkeit, die kaum zu übertreffen ist. Grundsätzlich haben die Mate 40 Pro-Selfies sehr ansprechende Farben mit schmeichelhaften, leicht rötlichen und insgesamt warmen Hauttönen. Der Dynamikbereich ist auch bei Szenen mit Hintergrundbeleuchtung sehr gut. Die Details pro Pixel sind in der nativen Zoomstufe hervorragend und fallen leicht ab, wenn Sie auf 1x zoomen, die Bildschärfe hingegen bleibt auf höchstem Niveau.

Der Zugriff auf den Selfie-Portrait-Modus erfolgt auf Umwegen. Das heißt, der Porträtmodus befindet sich dort, wo man ihn erwartet. Die Bokeh-Option fällt jedoch weg. Dafür muss man manuell auf die 1-fache Zoomstufe umschalten. Erst dann wird sie verfügbar. Die Trennung der einzelnen Objekte auf den Bildern ist ebenfalls sehr gut und selbst die unvermeidlichen Fehler bei unordentlichen Haarlinien fallen nicht besonders auf.

Kamera: Videos

Wenn also die Fotos derart gut werden, liegt nahe, dass das Mate 40 Pro auch ganz vernünftige Videos aufnimmt. Allerdings nicht in 8K so viel sei vorweggenommen. Das kann sich noch als Nachteil erweisen, muss es aber nicht. Immerhin zeichnen alle Kameras 4K bei 60 Bildern pro Sekunde auf, vorne wie hinten. Es werden auch großzügige Bitraten verwendet – 4K60 läuft mit 100 Mbit/s, 1080p60 liegt bei 40 Mbit/s. Wer Speicherplatz sparen möchten, kann in den Einstellungen auf den h.265-Codec wechseln. Dadurch reduziert sich die Dateigröße um 35%. Audio ist immer in Stereo bei 192 Kbit/s.

Das Mate verwendet standardmäßig seine Ultra-Wide-Kamera für Videos. Die Videoqualität ist isoliert betrachtet nicht spektakulär in Bezug auf Details, aber immer noch recht gut und leicht besser als der Großteil der Ultra-Wide-Kontrahenten da draußen. Der Dynamikbereich ist groß und die Farben sind ähnlich kräftig wie bei Fotos. Die Hauptkamera (oder die 1x-Kamera, um Verwirrung zu vermeiden) verbessert den Dynamikbereich geringfügig, insbesondere bei den Highlights. Es ist auch im Detail pro Pixel besser als das Ultra-Wide und in dieser Hinsicht in etwa auf dem Niveau der Klassenbesten.

Die Ausgabe der Tele-Kamera ist ebenfalls gut, obwohl bei Betrachtung von Details bei einer 1:1-Vergrößerung eine gewisse Verpixelung auftritt. Keine Beschwerden bei Farben und Dynamikumfang – dort ist alles erstklassig. Die Stabilisierung ist bei allen drei Hauptkameras bis 4K60 verfügbar und auf der ganzen Linie hervorragend. Das Mate bügelt die durch das Gehen verursachten Verwacklungen der 1x- und 0,7x-Kameras vollständig aus, die Schwenks sind glatt und das Filmmaterial absolut smooth, wenn Sie das Telefon nur in eine Richtung richten.

Das Mate 40 Pro verfügt über einen Tracking-Aufnahmemodus, in dem es einem sich bewegenden Motiv folgt, während das Telefon selbst stationär bleibt. Es verwendet die ultrabreite Kamera und erzeugt 1080p-Clips, die effektiv zoomen und durch Zuschneiden aus dem Rahmen schwenken. Sie müssen auf das Motiv tippen, um dem Telefon mitzuteilen, was verfolgt werden soll. Die Anweisungen besagen, dass es am besten mit Menschen funktioniert und wenn sie mindestens 2 m von der Kamera entfernt sind. Wir haben es versucht, es funktioniert fast.

Das Mate zeichnet auch bei schlechten Lichtverhältnissen qualitativ hochwertige Videos auf. Es verfügt über eine neue HDR-Videoverarbeitung, die drei verschiedene Belichtungen aufnimmt und diese zu einem einzigen Bild des Videos kombiniert. Es funktioniert bis zu 4K60, obwohl hohe Bildraten im Dunkeln selten eine gute Idee sind. Selfie-Videoaufnahmen gehören ebenfalls zu den Stärken des Mate. Ähnlich wie bei Standbildern wird bei Videos standardmäßig der mittlere 0,8-fache Zoom verwendet, sodass Sie immer noch ein relativ weites Sichtfeld haben. Die 1x-Stufe ist etwas schlechter, aber die 0,8x- und breiten Videos sehen ziemlich gut aus. Der Dynamikbereich ist ausgezeichnet, die Farben sind genau richtig. Die Stabilisierung ist bei den 0,8-fachen und 1-fachen Zoomstufen großartig, aber Videos bei der breiten Zoomstufe sind etwas wackeliger – nicht extrem, nur nicht so stabil.

Alternativen

Die Hardware und der Preis des Mate 40 Pro passen zu den besten Smartphones auf dem Markt. Das Galaxy Note 20 Ultra ist der Samsung-Gegenspieler. Mit dem Galaxy bekommen Sie eine höhere Bildwiederholfrequenz und ein geringfügig höher aufgelöstes Display. Der S Pen hat ebenfalls seine Vorteil, sollte aber nicht der entscheidende Grund sein. Uneingeschränkter Playstore-Zugang schon eher, da kann das von Google beraubte Mate aktuell nicht mithalten. Im Vergleich zum Samsung Galaxy Note 20 Ultra ist das Mate 40 Pro aber das insgesamt bessere Kamera-Smartphone.

In der Tat sind Kameraqualität und Vielseitigkeit ein Punkt, an dem das Mate 40 Pro so gut wie jedes andere Smartphone schlägt, das wir bisher getestet haben. Bei der Displayaktualisierungsrate und bei den fehlenden Google Play-Diensten muss es Punkte abgeben. Das OnePlus 8 Pro hat Google-Dienste an Bord, kommt hinsichtlich der Bildqualität aber nicht an das Mate heran. Es ist auch 20 bis 25% günstiger, hat ein 120 Hz-1440p-Display und eine etwas bessere Akkulaufzeit. Wobei der Preis für viele das beste Argument für das OnePlus 8 Pro sein könnte.

Das gibt es auch woanders. Etwa genauso viel (und damit deutlich weniger als für das Mate) gibt man für das Mi 10T Pro aus. Das Xiaomi verfügt ebenfalls über eine exzellente Kamera, auch wenn es nicht mit der Zoomfunktion des Mate mithalten kann. Auch in den meisten anderen Bereichen ist es ein enges Rennen – praktisch ein Gleichstand zwischen Display, Akkulaufzeit und Lautsprechern. Es ist also die Kamera des Mate im Vergleich zum niedrigeren Preis des Mi und der Unterstützung von Google-Apps.

Wenn Sie Googles Segen für das Mate 40 Pro nicht haben, können Sie das Google-Betriebssystem natürlich auch komplett ausrangieren und ein iPhone in die Hand nehmen. Insbesondere das iPhone 12 Pro Max wird nur geringfügig teurer werden (mit wenig Speicher versteht sich). Ironischerweise bekommen Sie dann Google Maps und Google Fotos und so ziemlich jede andere App, nach der sich Ihr Herz sehnt. Mit dem Max erhalten Sie nur die Hälfte der Zoomleistung des Mate, davon abgesehen sind die neuen iPhone-Kameras aber jeden Cent wert.

Test-Fazit Huawei Mate 40 Pro

Design / Ergonomie - 9
Display - 9
CPU / Leistung - 9
Akku - 9
Kamera: Fotos - 9
Kamera: Videos - 9

9

Testurteil

Top Display, top Kamera, top Preis: Mit dem Huawei Mate 40 Pro kann man problemlos glücklich werden. Wenn man das nötige Kleingeld hat und auf den Google Playstore verzichten kann.

Pro

  • herausragendes Design dank Waterfall-Display und ausgeprägtem Kameramodul
  • das 90 Hz-OLED-Display ist hell und farbgenau
  • sehr schnelle Ladevorgänge
  • hochkarätige Lautsprecher
  • sichere Gesichtserkennung
  • leistungsstarker und effizienter Chipsatz
  • wahrscheinlich das bisher leistungsfähigste Kamerasetup, Tag und Nacht, hinten wie vorne
Kontra
  • keine Google-Services an Bord
  • selbst wenn es Workarounds gibt und die meisten Apps funktionieren, einige funktionieren nicht
  • Konkurrenz hat 120 Hz-Displays, das Mate 40 Pro nur 90 Hz
  • Chipsatz in 2020 leistungsstark, nächstes Jahr aber vermutlich nicht mehr konkurrenzfähig
Die Mate 40 Pro stellt uns vor eine äußerst unangenehme Frage: Lohnt es sich, die ultimative Kamera zu bekommen, um den ultimativen Preis zu zahlen? Und obwohl das Telefon sicherlich teuer ist, sprechen wir nicht über seinen Euros. Ohne die Unterstützung von Google ist das Mate 40 Pro kaum jemandem zu empfehlen, der das App-Ökosystem des Suchgiganten und davon abhängige Apps von Drittanbietern verwendet. Und das ist wirklich das einzige ernsthafte Problem, das man mit dem Huawei Mate 40 Pro haben könnte.

Abgesehen von diesen Softwareeinschränkungen bietet das Mate 40 Pro eines der vollständigsten Pakete auf dem Markt. Das Waterfall-Display sieht cool aus, ist aber auch objektiv genau und leuchtet hell. Die Akkulaufzeit ist nicht zuletzt dank eines sehr effizienten Next-Gen-Chipsatzes hervorragend, das Aufladen extrem schnell. Die 3D-Gesichtserkennung des Mate gehört unter Android zu den besten seiner Art. Und obwohl es mittlerweile viele Smartphones mit Stereolautsprechern gibt, gibt es kaum welche mit so gutem Stereo-Klang. In Sachen Kameraerlebnis hält aktuell überhaupt kein anderes Smartphone mit dem Mate Schritt.

Am Ende könnte die Entscheidung also vielleicht doch nicht so schwer sein. Wenn Sie ohne die vollständige Unterstützung von Google nicht leben können, nehmen Sie Abstand vom Mate 40 Pro. Wenn Sie bereit sind, ein wenig Komfort in Sachen Apps aufzugeben, oder optimistisch in die Smartphone-Zukunft von Huawei schauen, sollten Sie sich das Mate 40 Pro zulegen.

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Huawei
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